„Trasferte libere!“ – Ultras aus Neapel protestieren gegen Auswärtsfahrverbote und drohen mit Wohnortwechsel
Nur zweimal durften Tifosi aus Neapel bzw. der Region Kampanien im Jahr 2025 offiziell und ohne große Einschränkungen auswärts fahren. So selten wie kaum eine andere Szene in Italien. Dies trieb in der vergangenen Woche Hunderte Ultras in Neapel auf die Straße, da sowohl die Curva A als auch die Curva B für eine Demonstration unter dem Motto „Trasferte libere!“ mobilisierten. Dabei drohte man auch mit einem Wohnortwechsel, sollten die absurden Regelungen weiterhin Bestand haben.

Die repressiven Maßnahmen der Behörden gegen Tifosi sind in Italien bekanntlich verwirrend und oft nur für die wenigsten plausibel. Erst vor Kurzem berichtete Faszination Fankurve über solche Repressionen gegen die Curva Nord Brescia.
Obwohl vielerorts die Fancard mittlerweile akzeptiert ist, gibt es immer noch regelmäßig Auswärtsfahrverbote. Dabei bleiben die Gästeblöcke nicht gänzlich geschlossen, sondern ein Verkauf an Fans aus der jeweiligen Stadt bzw. Region ist verboten. Auch Eintracht Frankfurt traf in diesem Jahr ein solches Verbot, als der Verein erneut in Neapel gastierte – Faszination Fankurve berichtete.
Die Tifosi aus Neapel traf 2025 ein solches Auswärtsfahrverbot so oft wie kaum eine andere Szene in Italien. Gerade einmal zwei Auswärtsspiele durften sie offiziell ohne derartige Einschränkungen besuchen. Dabei werden auch Fahrten zu Vereinen verboten, mit denen man keine Rivalität pflegt bzw. die über keine vergleichbar große Anhängerschaft wie die aus Neapel verfügen. Dies trieb in der vergangenen Woche mehrere Hundert Ultras am Rande des Vesuvs auf die Straße.
So mobilisierten sowohl die Gruppen der Curva A als auch die der Curva B für eine Demonstration unter dem Motto „Trasferte libere!“ (übersetzt: freie Fahrten). Am 22. Dezember traf man sich an der Largo Belinquer und zog hinter einem Banner mit entsprechender Botschaft lautstark durch das Zentrum zum Piazza Municipio.
Dabei drohte man auch mit einem Wohnortwechsel, um Verbote zu umgehen, die nur Bewohner aus Neapel bzw. Kampanien betreffen. Ausgedruckte Formulare sollten diese Drohung unterstreichen.
Während der Demonstration suchte man außerdem den Stadtrat Eduardo Cosenza auf, der das Gespräch mit den Ultras sowie einem Fananwalt suchte und dabei versprach, sich fortan gegen solche Verbote auszusprechen. So möchte der Stadtrat in den Dialog mit den Präfekturen treten, die über Regelungen für Auswärtsfahrten entscheiden.
Am 28. Dezember gastierte der SSC Neapel dann in Cremona. Fast 2.500 Tifosi durften mitfahren, darunter nahezu alle Gruppen. Das „Trasferte libere!“-Transparent von der Demonstration hing zentral vor dem Block. Außerdem machte man mit Spruchbändern weiter auf diese Thematik aufmerksam.
Vor insgesamt 14.286 Zuschauern gewann Neapel mit 2:0. Somit steht der amtierende Meister nach sechzehn Spieltagen auf Platz 3 der Serie-A-Tabelle, mit zwei Punkten Abstand auf Inter Mailand, den Erstplatzierten.

(Faszination Fankurve, 29.12.2025)









