16.12.2012 - Sicherheit

"Ich gehe von weiteren Protesten aus"


Eine Nacht konnte Philipp Markhardt über die Ergebnisse der Mitgliederversammlung schlafen. Im Interview mit Faszination Fankurve erklärt der "12:12"-Sprecher, warum sich die Enttäuschung noch nicht gelegt hat und ob es mit der Kampagne weitergeht.

Faszination Fankurve: Was überwiegt, die Enttäuschung über das Ergebnis oder der Impuls, dass Fans durch die Kampagne 12:12 in der Öffentlichkeit ein neues Standing bekommen haben?
Markhardt: Das kann ich noch nicht genau sagen. Es ist natürlich enttäuschend, dass sich die Liga von der Politik einschüchtern lässt, obwohl sie es besser wissen müsste. Es ist enttäuschend, dass eine deutliche Mehrheit für das Papier gestimmt hat, obwohl unter Garantie nicht 31 Fanszenen und Mitgliedschaften im Gespräch mit den Vorständen jubelnd aufgesprungen sind, als sie von den Maßnahmen gehört haben.



Faszination Fankurve: Die DFL spricht allerdings davon, dass es einen guten Dialog gab beziehungsweise gibt.

Markhardt: Den hat es nie gegeben. Und wenn man mir erzählen will, dass ja der Dialog der Vereine mit ihren Fans und Mitgliedern gemeint sei, dann kann ich nur sagen: Man hat ja beim Dialog über das Sicherheitspapieres gesehen, welchen Effekt das Ganze hat. Es werden Zweifel und Kritik der Fans angehört, entscheidet aber genau anders herum. Wenn das das Verständnis von einem verbindlichen Dialog ist, dann weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Faszination Fankurve: Welche positiven Aspekte nehmen Sie aus der Debatte mit?
Markhardt: Positiv ist in der Tat, dass wir Fans gezeigt haben, wie mächtig und auch mündig wir sind. Wir haben zumindest in den letzten Wochen eine ausgewogene und differenzierte Berichterstattung erlebt. Und vor allem wurde auch öffentlich gemacht, welch ein Spiel von den Innenministern gespielt wurde. Wahlkampf auf dem Rücken des Fußballs, um sich zu profilieren. Ich kann nur hoffen, dass sich jeder Fußballfan beim Gang an die Urne daran erinnert.

Faszination Fankurve: Tragen die beschlossenen Anträge die Fankultur zu Grabe?
Markhardt: Das werden wir sehen. Geeignet sind sie jedenfalls. Denn „Kann-Regelungen“ werden in der Regel zu „Muss-Regelungen“. Abgesehen natürlich von den Stadionverboten. Wenn da eines aufgehoben werden kann, dann wird das mit 90-prozentiger Sicherheit nicht passieren. Wir werden, ich bin so frei da eine Prognose abzugeben, ab der Saison 2013/2014 einen Anstieg der als „Risikospiele“ deklarierten Partien haben. Und dann greifen eben, die „besonderen Sicherheitsmaßnahmen“, die man „in Erwägung“ ziehen kann. Ironischerweise besteht die DFL darauf, dass es nicht um Kollektivstrafen sondern um täterorientierte Verfolgung geht. Wenn dann bei einem Risikospiel das Kartenkontingent der Gäste verringert wird, bestraft man allerdings wieder das Kollektiv. Paradox, nicht wahr? Und das Schöne ist, dass die DFL ihre Hände mehr oder weniger in Unschuld wäscht, weil die Vereine blauäugig genug waren, sich selbst den Schwarzen Peter zuzuspielen.

Faszination Fankurve: Was erwartet uns am Wochenende und nach der Winterpause in den Stadien? Wird die Protestaktion 12:12 noch einmal verstärkt?
Markhardt: Ich gehe für das Wochenende von Protesten aus. Spruchbänder werden auf jeden Fall zu sehen sein. Wie nun schlussendlich die Szenen über eine Fortführung des Schweigeprotestes entscheiden, vermag ich nicht zu sagen. Danach haben wir etwa einen Monat zur Bestandsaufnahme und Diskussion, ob und falls ja, wie es weitergehen soll. (Faszination Fankurve, 13.12.2012)

Hier können Sie im Faszination Fankurve-Ticker noch einmal alles Geschehnisse rund um die Mitgliederversammlung nachlesen.




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