19.07.2012 - 1. FC Union Berlin

Fan-Alternativvorschlag zum Kodex


Der Eiserne Virus, ein Fanverband von Union Berlin, hat einen Alternativvorschlag zum auf der Sicherheitskonferenz verabschiedeten Kodex formuliert. Union Berlin hat als einziger Verein den Kodex nicht unterschrieben. Die Union Fans kritisieren den Kodex scharf.

Faszination Fankurve dokumentiert die Pressemitteilung vom Eisernen Virus:

Presseinformation des Eisernen V.I.R.U.S. e. V.

Der Supporterverband des 1. FC Union Berlin, Eiserner V.I.R.U.S. e. V. hat den gestern von 53 Fußballvereinen verabschiedeten Verhaltenskodex mit Besorgnis hinsichtlich der konfrontativen Diktion und der Gewichtung der darin beschriebenen Grundsätze zur Kenntnis genommen. Die Union-Supporter befürchten, dass dieser Kodex von nicht geringen Teilen der Fanszenen als Affront gewertet wird, der den Graben zwischen Fans und den Vereinen/Verbänden weiter vertieft. So unumgänglich Sanktionen im Einzelfall sind, so gefährlich ist es, in ihnen das wichtigste Mittel zur Befriedung in den Stadien zu sehen. Doch genau diesen Eindruck erweckt die beschlossene Erklärung.

Der Eiserne V.I.R.U.S. e. V. hätte sich endlich einmal ein starkes Signal in Richtung des Dialogs und der Verständigung gewünscht, auf die in den letzten Jahren immer nachdrücklicher vonseiten der Fanorganisationen gedrungen wurde, was hingegen von den Verbänden wie auch von der Innenpolitik nicht oder allenfalls punktuell oder halbherzig aufgenommen wurde. Nichts kann Sicherheit so gut gewährleisten wie ein breiter Konsens und eine Stärkung aller derjenigen Kräfte der Gesellschaft, die für eine Fankultur ohne Gewalt und Diskriminierung eintreten.

An Stelle des beschlossenen Kodex hätte der Eiserne V.I.R.U.S. e. V. einen wesentlich anders gehaltenen Entwurf für hilfreich gehalten, der anliegend beigefügt und dem Wortlaut des gestrigen Beschlusses gegenübergestellt ist.

Wortlaut des Beschlusses vom 17. 7. 2012 Verhaltenskodex

Zweck

Der vorliegende Verhaltenskodex definiert die wichtigsten Grundsätze zur Wahrung eines gewaltfreien, sicheren und fairen Wettbewerbs im deutschen Fußball. Er beschreibt Verhaltensregeln zum Schutz der Zuschauer bei Fußballspielen und zur Förderung einer friedlichen Fußballkultur. Der Kodex ist das gemeinsame Bekenntnis der Vereine und Verbände, alle notwendigen Maßnahmen für noch mehr Sicherheit umzusetzen, sich deutlich sichtbar von Störern, Randalierern und Gewalttäter zu distanzieren und damit die Grundwerte des Fußballs zu bewahren.

Verhaltensgrundsätze

Mit dem vorliegenden Verhaltenskodex erklären wir:

Wir treten für die Werte des Fußballs ein

Fußball ist ein gesellschaftliches Gemeinschaftserlebnis, das Millionen Menschen auf emotionale und friedliche Weise verbindet. Die Fans sind ein wichtiger, zentraler Bestandteil unseres Sports. Ihre Unterstützung und ihre Leidenschaft sind Teil dieser einzigartigen, faszinierenden Fußballkultur, die es zu bewahren gilt.

Wir verurteilen jede Form von Gewalt

Die Sicherheit der Zuschauer und aller an der Organisation und Durchführung eines Fußballspiels Beteiligten ist die Basis unseres Fußballs. Wir distanzieren uns in aller Form und deutlich sichtbar von Störern, Randalierern und Gewalttätern. Für sie gibt es keinen Platz im Fußball.

Wir dulden keine Pyrotechnik beim Fußball

Das Abbrennen von Feuerwerk gefährdet die Gesundheit der Zuschauer und den Spielbetrieb. Schon aus diesem Grund kann Pyrotechnik kein Bestandteil einer schützenswerten Fankultur sein. Wir sagen Nein zu Pyrotechnik im Stadion und im Umfeld von Fußballspielen.

Wir bestehen auf die Einhaltung der Regeln

Stadien sind kein rechtsfreier Raum. Wer zu einem Fußballspiel geht, muss sich, wie bei allen anderen Veranstaltungen an die Regeln halten. Das geltende Recht, die jeweilige Stadionordnung und die Weisungen der Ordnungsdienste sind von jedem Zuschauer zu respektieren und einzuhalten.

Wir stehen für eine konsequente Sanktionierung

Verstöße gegen die Stadionordnung und geltendes Recht müssen wirkungsvoll geahndet werden. Wir werden unsere Sanktionsmöglichkeiten gegen Störer, Randalierer und Gewalttäter konsequent ausschöpfen und umsetzen.

Alternativer Entwurf des Eisernen V.I.R.U.S. e.V.

Absichtserklärung

Zweck

Spitzenfußball in Deutschland ist nicht nur sportlicher Wettbewerb, sondern ein gesellschaftliches Gemeinschaftserlebnis, das Millionen Menschen auf emotionale und friedliche Weise verbindet. Die einzigartige, faszinierende Fußballkultur der Fans drückt sich in deren Unterstützung und Leidenschaft aus, aber auch in den sozialen Netzwerken, die sie hervorbringt. Es ist an der Zeit, ein Signal des Willens zu setzen, zu einem verantwortungsvollen Miteinander der Fans, der Vereine und Verbände zu finden, um diese Werte zu bewahren. Dazu bekennen sich die Vereine und Verbände zu den folgenden Grundsätzen und Absichten:

Wir fördern die friedliche Fußballkultur

Die sportliche Rivalität ist wesentlicher Reiz unseres Mannschaftsspiels. Doch darüber hinaus eint alle Fußballzuschauer die Freude am Fußballsport und am Gemeinschaftserlebnis. Gewaltsame Störungen, Eingriffe und Angriffe sind nicht hinnehmbar. Solchen Erscheinungen treten wir entschieden entgegen, stets mit dem Grundsatz, Unschuldige zu schützen.

Wir streben gesellschaftlichen Konsens an

Ein friedlicher Umgang auch zwischen sportlich rivalisierenden Fangruppen kann nicht nachhaltig durch den Einsatz von Sicherheitskräften gewährleistet werden, sondern vielmehr durch eine breite gesellschaftliche Übereinstimmung zu diesem Grundsatz. Durch eine aktive Dialoggestaltung wollen wir die angemessene Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten fördern. Die Fanarbeit in den Vereinen und in Fanprojekten ist zu stärken und zu würdigen.

Wir stärken die besonnenen, positiven Kräfte

Wir haben erkannt, dass Sanktionierungen Unschuldiger und unangemessene Beschränkungen für Zuschauer in den Stadien ebenso wie unverhältnismäßig freiheitseinschränkende Polizeieinsätze dazu führen, dass besonnene Kräfte geschwächt werden oder sich gar zurückziehen. Die Veranstaltungen werden aber umso sicherer sein, je zahlreicher und stärker diejenigen sind, die für eine friedliche und stimmungsvolle Fußballatmosphäre eintreten und Orientierung für andere geben.Insbesondere Auswärtsspiele müssen für friedliche Fußballfans deutlich attraktiver werden. Notwendige Kontrollen und andere Maßnahmen der Vereine in den Stadien dürfen nicht als diskriminierend, bloßstellend oder gar entwürdigend empfunden werden.

Wir setzen die Regeln durch, die notwendig sind

Reglementierungen stets an den Grundsätzen der Verhältnismäßigkeit und Zweckmäßigkeit zu messen, schafft breite Akzeptanz und vereinfacht dadurch ihre Durchsetzung. Sanktionierungen von Zuschauern sind gegen Uneinsichtige anzuwenden, die bei den Veranstaltungen grundlegende Verhaltensregeln nachweisbar grob verletzen. Darüber hinaus obliegt die Verfolgung von Straftaten dem Gewaltmonopol des Staates. Aktuell nehmen wir zur Kenntnis, dass die Verwendung von Pyrotechnik für Teile der Fangemeinschaft ein wichtiges Anliegen ist. Ausgehend davon, dass der rechtliche Rahmen hinreichende Orientierung gibt, wie die Gesundheit der Zuschauer zu schützen ist, und in Würdigung aller Absichten, nur innerhalb dieses Rahmens Pyrotechnik einzusetzen, wollen wir die Gespräche mit der Faninitiative wieder aufnehmen und eine belastbare Prüfung veranlassen, ob und unter welchen Bedingungen das gegenwärtige Verbot gelockert werden kann.

Fanfotos 1. FC Union Berlin



Weitere News:
22.04.2016: Flüchtlinge bedanken sich bei Union Berlin
19.03.2016: Emotionale Szenen bei Köhler Comeback
11.03.2016: Treffen der Union Berlin Rowdys von einst
20.02.2016: ​4.000 Union Berlin Fans protestierten gegen RB Leipzig
16.02.2016: 15 Minuten Boykott bei RB Leipzig

Alle 99 News anzeigen



Kommentar schreiben

Name:


Kommentar:


Kommentar-Regeln