20.06.2014 - HFC Falke e.V.

„Der HFC Falke war für uns die Konsequenz“


Faszination Fankurve sprach mit Philipp Markhardt, einer der Initiatoren bei der Gründung des Fanvereins HFC Falke e.V. und Mitglied bei Chosen Few, über den neuen Verein und wie es für Chosen Few und andere beim Hamburger SV weitergeht. Das erste Interview mit dem HFC Falke.

Faszination Fankurve: Gestern sollte der Hamburger Fußball-Club Falke gegründet werden. Könnt ihr den Vollzug melden?
Philipp Markhardt: Jein. Zwar ist die vorläufige Satzung beschlossen und ein kommissarisches Präsidium gewählt, der Eintrag ins Vereinsregister muss allerdings noch warten, da die Satzung erst noch durch einen Anwalt und das Finanzamt geprüft werden soll, um keinen Fehler zu machen. Das ändert allerdings nichts am Gründungsdatum, dem 19.06., mit dem wir den Bogen zum HSV-Vorgängerverein FC Falke 06 schlagen. Wie die Satzung und das Präsidium dann endgültig aussehen, haben später die Mitglieder zu entscheiden. Das ist alles verhandelbar bzw. kann geändert. Eine Ausnahme stellen die von der Ewigkeitsklausel berührten Punkte dar, wie zum Beispiel die Rechtsform. Beim HFC Falke wird es nicht möglich sein, per Satzungsänderungsantrag eine Ausgliederung herbeizuführen.

Faszination Fankurve: Wer ist mittlerweile alles in dem Projekt involviert?
Markhardt: Beteiligt sind Leute aus so ziemlich allen Teilen der HSV-Mitgliedschaft bzw. –Fanszene und auch eine „HSV-fremde“ Person. Derzeit sind wir etwa zwanzig Personen, die alles vorbereiten, um am 13. Juli die Gründerversammlung durchzuführen.

Faszination Fankurve: Werdet ihr weiterhin die Spiele des Hamburger SV besuchen?
Markhardt: Das steht jedem frei. Mit Sicherheit werden viele noch hingehen, es gibt jedoch auch Leute, die ihre Dauerkarte nicht verlängert haben. Da ist jeder frei in seiner Entscheidung.

Faszination Fankurve:Wieso habt ihr den HFC Falke gegründet bzw. wie habt ihr euch vom Hamburger SV entfernt? Kannst du die Ereignisse der vergangenen Monate zusammenfassen?
Markhardt: Es war ja leider abzusehen, dass es zu einer Ausgliederung der Profiabteilung des HSV kommen würde. Da hat sich wohl keiner großen Illusionen hingegeben. Wie das Ganze dann am 25. Mai abgelaufen ist, fanden wir jedoch beschämend. Den Sporttreibenden im HSV wurde leider sehr schmerzlich vor Augen geführt, dass die Amateurabteilungen von der überwiegenden Mehrheit der Mitglieder als lästiges Anhängsel gesehen werden. Es offenbarte sich außerdem, dass es den meisten Mitgliedern weniger um Ideale geht, als um erfolgreichen Bundesliga-Fußball und dass sie bereit waren, all ihre Mitspracherechte zu opfern. Mit dieser Einstellung gehen wir nicht konform. Der HFC Falke war für uns die Konsequenz – auch wenn wir damit nicht das Ziel verfolgen, gegen die HSV AG zu sein. Vielmehr wollen wir einen Verein schaffen, der für etwas steht: für Vereinsleben, Mitbestimmung und den Spaß am Fußball, wie wir ihn uns vorstellen.

Faszination Fankurve:Der HFC Falke soll erst in der Saison 2015/2016 seinen Spielbetrieb aufnehmen. Was macht ihr in der Zwischenzeit?
Markhardt: In der Zwischenzeit wollen wir uns so aufstellen, dass der HFC Falke keine Eintagsfliege wird. Einen Amateurverein zu gründen, ist sicher nichts, was man mal eben nebenbei macht. Da müssen diverse Dinge beachtet werden. Zum Beispiel benötigen wir eigene Schiedsrichter, eine sportliche Heimat, etc. Das bricht man nicht mal eben übers Knie. Nicht zu vergessen, dass wir auch eine Mannschaft zusammenstellen müssen.

Faszination Fankurve:Sollen die Spieler vom HFC Falke aus der Fanszene des HSV kommen?
Markhardt: Gerne. Aber am Ende entscheidet das derjenige, der als Trainer engagiert wird. Wir haben bereits zahlreiche Angebote von Interessenten bekommen, aber am Ende entscheidet das dann wie gesagt der Übungsleiter.

Faszination Fankurve:In welcher Liga und in welchem Stadion wollt ihr antreten? Gibt es hier schon erste Überlegungen?
Markhardt: Wir würden nach derzeitigem Stand ganz unten in der Kreisklasse anfangen. Was allerdings natürlich auch die Chance erhöht, dass eben Spieler aus der Fanszene des HSV dabei sein können. Beim Thema Stadion können wir noch keinen Vollzug melden. Hier kümmern wir uns zeitnah um Gespräche mit Verantwortlichen. Wunsch ist es, im Hamburger Westen anzutreten. Warten wir mal ab, wie viele Leute am 13.7. zur Gründerversammlung erscheinen, um eine ungefähre Hausnummer zu haben, was auch vom Platz her nötig ist.


Faszination Fankurve:Du warst in den vergangenen Jahren bei Chosen Few Hamburg aktiv. Wirst du dies weiterhin sein und wie steht der Rest der Gruppe zum HFC Falke?
Markhardt: Ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht. Ende Juni haben wir unser jährliches Treffen, auf dem die Marschrichtung für die kommende Saison festgelegt wird. Das alles natürlich auch vor dem Hintergrund der Ausgliederung und den Ereignissen beim Spiel gegen den FCB. Derzeit tendiere ich dazu, sporadisch auch HSV-Spiele zu besuchen, da sich dort schließlich der überwiegende Teil meines Freundeskreises aufhält. In Stein gemeißelt ist aber noch nichts. In der Gruppe selbst gibt es sowohl Interessenten, als auch Skeptiker. Das ist allerdings in meinen Augen auch normal.

Faszination Fankurve:Wird der Großteil der Chosen Few weiterhin die Spiele des Hamburger SV besuchen?
Markhardt: Das wird man Ende Juni wissen. Nach meinem Kenntnisstand haben sich die meisten noch Dauerkarten gekauft. Ob die auch genutzt werden, sehen wir dann.

Faszination Fankurve:Was sind eure langfristigen Ziele mit dem HFC Falke? Bis zu welcher Liga wäre ein Aufstieg wünschenswert und ab wann hättet ihr Angst vor Fehlentwicklungen?
Markhardt: Ich denke, dass ein Durchmarsch nicht sehr realistisch ist. Bis wohin man gehen möchte, ist so eine Frage. Ich persönlich hätte kein Problem damit, irgendwann einmal Oberliga zu spielen. Ob es für mehr reicht, ist die große (finanzielle) Frage. Denn die Regionalliga ist für die meisten Amateurclubs Gift. In Hamburg hat es zum Beispiel lange Zeit keinen Oberliga-Meister gegeben, der es sich zugetraut hat, die Lizenz für die Regionalliga zu beantragen, weil die Kosten immens sind, das Interesse am Amateurfußball jedoch in der Hansestadt eher überschaubar. Aber die Frage stellt sich erstmal nicht.

Faszination Fankurve:Soll der HFC Falke optisch und akustisch unterstützt werden?
Markhardt: Gute Frage. Wünschenswert ist das auf jeden Fall. Ich kann aber noch überhaupt keine Prognose abgeben, wie sich das Publikum zusammensetzen wird.

Faszination Fankurve:In Europa gibt es schon einige Fanvereine, wie z.B. in Wimbledon, Salzburg, und Manchester. Habt ihr zu einem dieser Vereine den Kontakt gesucht, um euch den ein oder anderen Rat einzuholen?
Markhardt: Ja, haben wir. Wobei wir uns hauptsächlich in Deutschland umgehört haben, ganz einfach, weil die rechtlichen Voraussetzungen international doch andere sind, als bei uns. Kontakte gibt es aber.

Faszination Fankurve:Gegen welchen Fanverein würdet ihr gerne ein Testspiel absolvieren, schließlich ist bis Saisonstart 2015/2016 noch reichlich Zeit für Testspiele?
Markhardt: Da wird sicherlich jeder seine eigenen Favoriten haben. Grundsätzlich sind wir da aber zu allen Seiten offen. Der Kontakt aus Manchester liegt allerdings schon auf meinem Schreibtisch. (Faszination Fankurve, 20.06.2014)




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Kommentare:

Nur der HSV am 09.07.2014, 20:46 Uhr

zum scheitern Verurteilt... Diesen Weg zu gehen ist lächerlich, immerhin wird sich mein Club ( der HSV ) einiges an Strafgeldern sparen ( Pyro ) und schlechten Dauersingsang, Stimmung gab es schon vorher und wird es auch wieder geben, wahrscheinlich sogar besser und Spielbezogener... Die im Schnitt wohl so um die 16 Jahre jungen Mitglieder der CFHH mit Raute auf dem Arm sind halt sehr spontan :-) Ich werde meinen Verein niemals wechseln ... um das mit Euren Worten zu sagen ... Ihr Söldner ...


Fortuna95 am 23.06.2014, 18:18 Uhr

Eine andere Idee wäre ja ansonsten das man wie in England einen Supporters Trust gründet und versucht sich die meisten Anteile zu sichern, sodass keine Investoren dazwischen funken können ;)


Fortuna95 am 21.06.2014, 11:18 Uhr

Repekt vor diesem Schritt, ich hätte nicht anders gehandelt, ich hoffe das mehrere aus eurer Fanszene noch mit rüber kommen, denn der Amateurfussball ist noch sehr empfehlenswert.
Das kann ich euch sagen weil wir selber längere Zeit da waren, aber auch weil ich mehrmals in der Regio West am hoppen bin.
Gegen den modernen Fussball!!!


Saul am 20.06.2014, 21:42 Uhr

Respekt! Als Hamburger würde ich sofort das Projekt unterstützen. Glücklicherweise spielt mein Verein seit 15 Jahren (und vermutlich auch die nächsten 20) zwischen der 4. und der 5. Liga, wo man noch mit gutem Gewissen ins Stadion gehen kann. Pro Amateurfußball!