16.01.2013 - 12doppelpunkt12

„Bei der DFL hat ein Umdenken stattgefunden“


Vergangene Woche fand ein erstes Treffen zwischen Vertretern der DFL und Fanvertretern statt. Dieser begonnene Dialog soll nun fortgeführt werden. Faszination Fankurve sprach mit Jan-Henrik Gruszecki, dem Vertreter der 12:12-Kampagne, der an dem Gesprächsrunde teilnahm.

Faszination Fankurve: Wie verlief das erste Treffen mit der DFL aus deiner Sicht?
Jan-Henrik Gruszecki: Dieses Treffen war definitiv notwendig. Es gab viel Redebedarf. In den zweieinhalb Stunden konnten aber auch nicht alle kritischen Punkte ausgeräumt werde. Es wurde bewusst auf eine Tagesordnung verzichtet, damit jeder seine Punkte frei vortragen kann. Eigentlich sollte nicht über die Vergangenheit gesprochen werden, sondern in die Zukunft geblickt werden. Das hat aber nicht ganz geklappt, da die Ereignisse vom 12. Dezember einfach noch zu gegenwärtig in den Köpfen waren. Wir haben also größtenteils eine Fehleranalyse der Vergangenheit betrieben. Die Faninteressen sollen in Zukunft aber stärker Fokus treten. Die Strukturen für einen weiteren Dialog müssen aber erst noch geschaffen werden. Vielleicht werden die Strukturen mit der AG Fanbelange, die beim DFB angesiedelt ist, zusammengelegt , wenn das möglich ist. Alles in allem wurde auf dem Treffen offen und kontrovers diskutiert.

Faszination Fankurve: Wie kam es überhaupt zu dem Treffen und wer hat alles teilgenommen?
Gruszecki: Die DFL hat zu dem Treffen eingeladen. Vermutlich kam es durch die erfolgreichen Fanproteste zustande. Die Einladung der DFL für das Treffen hat uns nach dem 12. Dezember 2012 erreicht. Der jetzige Geschäftsführer der DFL, Andreas Rettig, hatte jedoch schon vorher Kontakt zu uns aufgenommen. Damals war er aber noch nicht im Amt, er hat seinen Dienst bei der DFL ja offiziell erst am 01. Januar 2013 begonnen.
Teilgenommen haben neben mir ein weiterer Vertreter von 12:12 und jeweils zwei Fanvertreter von ProFans und UnsereKurve, Andreas Rettig, der DFL-Vorstand Christian Seifert, der DFB-Sicherheitsbeauftragter Hendrik Große Lefert, der DFB-Fanbeauftragte Gerald von Gorrissen, die KOS und einige Sprecher der Fanbeauftragen.

Faszination Fankurve: Aus Fankreisen war nach Dialogen häufig zuhören, dass die Fans sich von Seiten der Verbände nicht ernst genommen fühlten. Wie ist dein Eindruck nach dem Treffen?
Gruszecki: Ich habe da eine andere Wahrnehmung. Ich glaube schon, dass wir mittlerweile Ernst genommen werden. Durch die Fanproteste unter dem Namen 12:12 und dem damit verbundenen Schweigen der Fans hat – so mein Eindruck - bei der DFL ein Umdenken stattgefunden. Die DFL hat verstanden, dass Fußball ohne Fans nicht möglich ist und die enorm Fans wichtig für das „Produkt“ Bundesliga sind. Die Sponsoren, Sky und auch die anderen Medien haben kein Interesse an schweigenden Kurven, auch sie wollen volle Stehplatztribünen.
Außerdem muss man betonen, dass DFB nicht gleich DFL ist. Der Anteil konservativ denkender Personen scheint beim DFB höher zu sein, als bei der DFL.

Faszination Fankurve: Wie geht es nach der Winterpause weiter?
Gruszecki: Die Proteste und damit auch das Schweigen der Kurven sind vorerst beendet. Sollte es zu übertriebenen Maßnahmen kommen wird jedoch lokal protestiert. Wenn also Gästekontigente reduziert werden, oder Zelte zu Personenkontrollen vor einem Gästeblock aufgebaut werden, werden sofort Proteste folgen. Die betroffen Auswärtsfans können sich dann auch der Solidarität der gastgebenden Fanszene sicher sein. Auch weitere Solidarisierungen sind dann möglich.

Faszination Fankurve: Du hast als Fanvertreter in den vergangenen Wochen reichlich Pressearbeit betrieben. Welche Erfahrungen hast du im Umgang mit den Medien gemacht?
Gruszecki: Am besten gefallen hat mir ein Satz aus der Zeit, die zum DFL-Sicherheitspapier geschrieben haben: „Es soll ein Problem lösen, das es nicht gibt“. Das hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Über die weitestgehend positive Berichterstattung der Medien waren wir sehr erfreut. Hilfreich war sicherlich auch die positive Erwähnung der Proteste durch die Fernsehkommentatoren der ersten Spiel zu Beginn der Proteste. Wir haben viele, sehr viele Hintergrundgespräche mit Journalisten geführt, Gerade hier haben wir viel Pressearbeit betrieben und die Kommentatoren vorab angeschrieben und angerufen, um diese über die Anliegen der Fans zu informieren. (Faszination Fankurve, 15.01.2013)




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