Nach 300.000 € Strafe: Fans fordern Umdenken beim DFB

Das DFB-Sportgericht verurteilte Dynamo Dresden am gestrigen Montag zu einer Geldstrafe in Höhe von 300.000 Euro und sanktionierte damit unter anderem die Vorfälle im Rudolf-Harbig-Stadion beim Relegationsrückspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern.

„Im Relegationsrückspiel brannten Dresdner Zuschauer annährend 200 Pyros ab und warfen diese teilweise auch auf den Rasen, was zwischenzeitlich zu einer siebenminütigen Spielunterbrechung führte. Etwa eine Stunde nach Abpfiff drang ferner eine kleinere Gruppe von Dresdner Zuschauern unbefugt in das Stadiongelände bis teilweise in den Kabinentrakt und den Mannschaftsbus ein, wobei zwei Ordner verletzt wurden“, begründet der DFB 155.000 Euro der insgesamt 300.000 Euro mit Vorgängen beim Spiel in Dresden gegen Kaiserslautern. Weitere 15.000 Euro kamen wegen des Hinspiels auf dem Betzenberg („30 pyrotechnische Gegenstände“) hinzu. Für das Heimspiel gegen den FC Schalke 04, bei dem laut DFB mindestens 200 Bengalische Fackeln und Blinker sowie 20 Raketen brannten, wird Dynamo Dresden mit 130.000 Euro zur Kasse gebeten. So ergibt sich die Gesamtstrafe in Höhe von 300.000 Euro, wovon Dynamo Dresden 100.000 Euro für sicherheitstechnische oder gewaltpräventive Maßnahmen verwenden darf.

Auf das Spielfeld geworfene Pyrotechnik sorgte am Ende der Relegation für eine Spielunterbrechung.
Auf das Spielfeld geworfene Pyrotechnik sorgte am Ende der Relegation für eine Spielunterbrechung. Bild: jokersradeberg.de

Aus der Fanszene von Dynamo Dresden kommt Kritik am Urteil des DFB auf. Die Schwarz-Gelbe Hilfe, die Dynamo-Fans bei Problemen mit Polizei und Justiz unterstützt, fordert den Verband zu einem Umdenken beim Thema Pyrotechnik auf: „‘Die Schwarz-Gelbe Hilfe, die Fanhilfe der SG Dynamo Dresden, verurteilt den Beschluss des DFB-Sportgerichts auf das Schärfste.‘ Eine solch hohe finanzielle Summe als Sanktion gegen einen Fußballverein wurde seit Jahrzehnten nicht mehr verhängt” so Danny Graupner — Vorstand der Fanhilfe von Dynamo Dresden. Weder Kollektiv- noch überzogene Geldstrafe sind aus unserer Sicht ein geeignetes Mittel zur Prävention solcher Vorkommnisse wie beim Relegationsrückspiel der SG Dynamo Dresden gegen den 1. FC Kaiserslautern.“ Dass das Werfen von pyrotechnischen Gegenständen in Richtung des Spielfelds keine postitive Werbung für den Einsatz dieses Stilmittels der Fankurven ist, steht außer Frage, doch diese Formen der Sanktionen heizen Konflikte zwischen Fanszenen und dem DFB weiter an. Vorhandene Probleme werden durch immer höhere Summen nicht gelöst, sondern verschärfen sich weiter” so Graupner weiter.  Die Schwarz-Gelbe Hilfe fordert daher die Beendigung der Sportgerichtsurteile im Gießkannenprinzip gegenüber Vereinen, aber auch Fußballfans. Des Weiteren muss die Kriminalisierung von pyrotechnischen Gegenständen in den Fanblöcken ein Ende nehmen. „Bengalos gehören zum gängigen Stimmungsbild, gegenwärtig sind diese trotz vieler Dialogangebote und Konzepten seitens der bundesdeutschen Fankurven verboten. Dennoch werden sie immer wieder gezündet. Hier muss ein grundlegendes Umdenken seitens des Fußballverbands stattfinden” schlussfolgert der Vorstandsvorsitzende“, so die Stellungnahme der Schwarz-Gelben Hilfe.

Pyroshow im K-Block beim Heimspiel gegen Schalke.
Pyroshow im K-Block beim Heimspiel gegen Schalke. Bild: jokersradeberg.de

Nachdem sich die Stadien in Deutschland zuletzt wieder gefüllt hatten, kehrten mit den aktiven Fanszenen auch die Pyroaktionen zurück in die Stadien. In nahezu allen Fanszenen im deutschen Profifußball wird bis heute Pyrotechnik als Stilmittel der Fankultur eingesetzt. Auch beim vom DFB selbstverantworteten DFB-Pokalfinale kam es im Berliner Olympiastadion zum massiven Einsatz von Pyrotechnik. Der DFB schaffte es als Veranstalter erneut selbst nicht, das Zünden von Pyrotechnik zu verhindern. Die Clubs werden vom DFB-Sportgericht trotzdem weiter in Haftung für Aktionen der eigenen Fans genommen. Der SC Freiburg muss wegen 67 Bengalischen Feuer im DFB-Pokalfinale 67.000 Euro zahlen, RB Leipzig soll für „mindestens 18 Bengalische Feuer, zwei Rauchbomben, einen Blinker und eine Rakete“ insgesamt 24.000 Euro zahlen. (Faszination Fankurve, 12.07.2022)

Pyroaktion der SC Freiburg-Fans beim DFB-Pokalfinale. Als Veranstalter konnte der DFB Pyroshows selbst nicht verhindern.
Pyroaktion der SC Freiburg-Fans beim DFB-Pokalfinale. Als Veranstalter konnte der DFB Pyroshows selbst nicht verhindern. Bild: nordtribuene.org

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