60 Jahre HFC Chemie – Eindrücke vom Jubiläumsspiel gegen Górnik Zabrze
Vor dem Mauerfall trafen die Mannschaften aus Halle und Zabrze aufgrund wirtschaftlicher Verbindungen regelmäßig aufeinander. Anlässlich des 60. Vereinsbestehen sollte es nun zu einer Neuauflage dieses Duells kommen. So lud der HFC den polnischen Vizemeister und Pokalsieger an die Saale ein. Der Spieltag war trotz extremer Hitze geprägt von verschiedenen Aktionen aufgrund des Vereinsgeburtstages. Daran beteiligte sich auf die Fanszene, die vorab ordentlich mobilisierte und dem Spiel aktiv beiwohnte.
Wie Faszination Fankurve berichtete, ereignen sich in dieser Sommerpause abermals allerhand interessante Testspiele. So auch in Halle, wo man am gestrigen Sonntag das polnische Schwergewicht aus Zabrze einlud.
Anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Halleschen FC organisierte der Verein ein internationales Testspiel. So gastiert Gornik Zabrze am 28. Juni an der Saale. „Die Duelle des damaligen HFC Chemie gegen Górnik Zabrze gehörten bis zum Mauerfall zu den festen Größen im internationalen Vergleich beider Vereine. Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg trafen die Hallenser und der polnische Traditionsverein regelmäßig in Freundschafts- und Testspielen aufeinander – oftmals mindestens einmal pro Jahr. Hintergrund war die enge Partnerschaft zwischen der Chemieregion rund um Halle und dem oberschlesischen Bergbaurevier, zu dem auch Zabrze gehört. Das bislang letzte Aufeinandertreffen liegt inzwischen mehr als 35 Jahre zurück“, hieß es vom HFC vorab zum Hintergrund des Testspiels.
Gegründet wurde der HFC Chemie am 26. Januar 1966 im damaligen Interhotel Stadt Halle am Riebeckplatz. Sechs Jahrzehnte später nahmen Fans dieses Datum zum Anlass, die Geschichte des Vereins sichtbar zu würdigen – Faszination Fankurve berichtete. Später folgten weitere Aktionen anlässlich des Jubiläums. Mit dem Testspiel gegen Górnik Zabrze ereignete sich nun ein weiteres Highlight. Über 30-mal trafen beide Vereine bereits aufeinander. So auch bspw. bei der Flutlichteinweihung von 1969.
Seitens Verein und Fanszene wurde für den Spieltag ein breites Rahmenprogramm erstellt. Los ging es mit einer gemeinsamen Radtour unter dem Namen HFC-Friedensfahrt. „Die Friedensfahrt gehörte über Jahrzehnte zu den bedeutendsten Radsportveranstaltungen Europas und machte Halle mehrfach zum Etappenort. Ihr ursprünglicher Gedanke war es, Menschen über Grenzen hinweg zusammenzubringen und durch den Sport Begegnung, Verständigung und Frieden zu fördern. Diesen Gedanken möchten wir gemeinsam aufgreifen und in die Gegenwart tragen… Dabei steht nicht die sportliche Höchstleistung im Vordergrund. Die HFC-Friedensfahrt ist eine gemütliche Tour für Jung und Alt, für Gelegenheitsradler ebenso wie für erfahrene Fahrer. Holt euren Drahtesel aus dem Keller, schnappt euch Familie, Freunde und Mitstreiter und erlebt einen besonderen Vormittag in den Farben des HFC.“, heißt es vom HFC hierzu. Auch die Szene mobilisierte hierfür. Treffpunkt war 10:00 auf dem Hallenser Marktplatz. Am Maritim Hotel erfolgte der erste Halt. Dort wurde an die Gründung des HFC Chemie im Jahr 1966 erinnert. Am Stadion gab es später ein Bühnenprogramm, dass nach Abpfiff weiterging.

Die HFC-Fankurve rief vorab dazu auf, in Weiß zu erscheinen. Außerdem sollten alle Fans alte Mützen, Schals und Kutten aus ihrer Anfangszeit beim HFC mitbringen. Dies wurde seitens der Fans gut angenommen. Insgesamt 3.195 Zuschauer trotzten der Hitze und pilgerten ins Stadion.
In der Heimkurve hingen allerhand alte Zaunfahnen, die nur noch selten das Tageslicht sehen. Zu Spielbeginn folgte eine Choreo anlässlich 60 Jahre Chemie Halle. In dieser fand man zugleich eine Anspielung auf die Friedensfahrt. Während rote und weiße Folienbahnen sowie eine „60“-Jubiläumsblockfahne die Ränge füllten, schoss am Zaun ein Radfahrer aus einem bildlichen Eingang des Kurt-Wabbel-Stadions heraus und erzeugte einen „Jahre HFC Chemie“-Schriftzug, der ergänzend zur Blockfahne zu sehen war und die Choreo in eine bewegliche Aktion verwandelte.
Der Begriff Friedensfahrt stammt aus DDR-Zeiten, war das bedeutendste Amateur-Radrennen in den ehemaligen Ostblockstaaten und galt als das sozialistische Pendant zur Tour de France.
Auf dem Rasen gab es eine 1:2-Niederlage gegen die Oberschlesier. Górnik Zabrze erreichte in den jüngsten Jahren wieder sportlichen Erfolg. So wurde man in diesem Jahr polnischer Pokalsieger und zugleich auch Vizemeister. Im internationalen Geschäft warten nun zwei spannende Aufeinandertreffen gegen Fenerbahçe Istanbul.
Die aktive Anhängerschaft, die sich unter dem Namen Torcida Zabrze formiert, erlebt derweil einen Aufwind. Daran änderte sich auch nicht viel, als vor wenigen Monaten die befreundeten Hoolbanden von GKS Katowice und Row Rybnik die Freundschaften nach Zabrze aufkündigten – Faszination Fankurve berichtete. Zum Testspiel fuhr die Szene allerdings nicht. Nur wenige Gästefans waren vereinzelt sichtbar. Poldis Abschiedsspiel 2024 in Köln wurde von den Kibice noch aktiv besucht - Faszination Fankurve berichtete.
Mit Lukas Podolski gibt es bei Górnik Zabrze eine Person, die auch in Deutschland sich zur Legende machte. Der Weltmeister von 2014, der über familiäre Verbindungen in eben jene polnische Region besitzt, wechselte 2021 zu nach Zabrze und besaß prompt Kultstatus. Im Sommer 2026 beendete er offiziell seine Karriere, bleibt Górnik Zabrze aber auf anderer Art und Weise treu. Denn der Publikumsliebling sicherte sich die Mehrheit der Anteile am Verein. Dies wurde sowohl von Stadt als auch Verein und Fans begrüßt. In Halle war er allerdings nicht mit dabei, was einige Heimfans verärgerte. Zu sehr ist der neue Klubbesitzer mit den Vorbereitungen für die neue Saison beschäftigt.
Einen ausführlichen Spielbericht zum Jubiläumsspiel des Halleschen FC findet ihr in einer der kommenden Ausgaben des 45 Grad-Kurvenhefts.
(Faszination Fankurve, 29.06.2026)
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