Interview zum Dokumentarfilm „Chieti sei tutto per me“ über die Ultras von Chieti
Am 26.5. feierte der Dokumentarfilm „Chieti sei tutto per me“ über die Ultras von Chieti Premiere. Ort dafür war eines der berühmtesten Opernhäuser Italiens, was medial ein großes Echo erzeugte. Produziert wurde der Film von Sport People. Faszination Fankurve sprach mit Redakteur Simone Meloni, auf dessen Idee der 24-minütige Film zurückgeht.
1. Hallo Simone. Wie ist die Idee zu diesem Film „Chieti sei tutto per me“ entstanden? Warum Chieti?
Die Idee, eine Dokumentarreihe mit Sport People zu realisieren, entstand im vergangenen Jahr, als das erste Projekt gedreht und vom Magazin veröffentlicht wurde: „Atteggiamento Zellino“, ein Kurzfilm über die Fans von Velletri. Mit Chieti wollten wir diese Initiative fortsetzen und einen weiteren Schritt nach vorne machen, auch dank der Zusammenarbeit mit Sebastien Louis, der bei der Ausarbeitung des Projekts eine entscheidende Rolle spielte. Die schwarz-grünen Fans sind das klassische Beispiel für eine italienische Gruppe aus der „Provinz“ mit einer langen und bedeutenden Geschichte, die in den 70er Jahren beginnt und bis heute reicht, obwohl vor allem die letzten fünfzehn Jahre sportlich gesehen katastrophal für sie waren (Chieti FC 1922 spielt in der Serie D, Anm. d. Red.). Chieti war zudem jahrelang ein Bezugspunkt für die Schaffung von Gesängen und originellem Material (man denke nur daran, dass das berühmte „Non mollare mai“ zu den Klängen von „You Are Not Alone“ von Michael Jackson gerade von den Ultras aus Chieti erfunden und dann von Lazio berühmt gemacht wurde). Für uns war und ist es wichtig, über die Ultras-Szene in den unteren Ligen zu berichten, die die Basis der italienischen Ultras-Bewegung bilden und noch immer die Möglichkeit bieten, sich mit echten und besonderen sozialen, menschlichen und gemeinschaftsfördernden Aspekten auseinanderzusetzen. Und nicht vollständig dem Fußballgeschäft unterworfen sind.
2. Hast du persönliche Erfahrungen mit den Ultras von Chieti, die du mit uns teilen möchtest?
Wie bei so vielen anderen Fangruppen hatte ich im Laufe der Jahre Gelegenheit, sie bei zahlreichen Heim- und Auswärtsspielen in Aktion zu sehen. Wenn ich also eine bestimmte Erfahrung herausgreifen müsste, wüsste ich nicht, welche, aber zweifellos gehören sie zu den Gruppen, denen es in den letzten Jahren am besten gelungen ist, ihre Militanz wieder aufzubauen, trotz Repressionen und Verboten. Das Projekt „Curva Volpi“ hat es geschafft, alle Gruppen in der Stadt zu vereinen, Unterschiede zu überwinden und die Liebe zu Chieti sowie die Ultras-Mentalität in den Vordergrund zu stellen. Das ist keine leichte Aufgabe in einer historischen Phase, in der sich zumindest in Italien viele Gruppen aufspalten, trennen oder sogar auflösen. Auch aus diesem Grund hielten wir den Zeitpunkt für richtig, einen Dokumentarfilm zu drehen. Ein Produkt, das nicht dazu gedacht ist, die Fangemeinde zu verherrlichen oder zu vergöttern, sondern sie in ihrer Natürlichkeit zu zeigen.
3. Wie wurde die Idee, einen Film zu drehen, aufgenommen?
Man muss sagen, dass es vor allem seit den 90er Jahren in der Ultras-Szene immer eine klare Ablehnung gegenüber Interviews, Dokumentarfilmen, Fotos und generell allem gab, was mit dem Auftreten in den Medien zu tun hat. Eine Haltung, die aufgrund der Lügen und Verfälschungen, die in bestimmten Kreisen der Mainstream-Presse über sie verbreitet wurden, verständlich ist. Allerdings unterschied sich diese Haltung beispielsweise von der in den Anfängen der Ultras-Bewegung, als ikonische Werke wie „Ragazzi di Stadio“ entstanden, das die Geschichte der Kurven von Juventus und Torino aus der Innenperspektive erzählte. Daher war das Erste und Wichtigste die Aufnahme, die uns die Gruppe bereitet hat. Eine reife, intelligente und vertrauensvolle Haltung, die es uns ermöglichte, in ihren Alltag einzutauchen. Natürlich mit Respekt und ohne bestehende Grenzen zu überschreiten.
4. Du kennst die italienische Szene sehr gut. Was hat dich während der Dreharbeiten an den Ultras überrascht?
Sicherlich die Natürlichkeit und der Wunsch, die Realität von Chieti ohne allzu viel Paranoia und ohne Großspurigkeit zu erzählen. Dann überrascht mich immer wieder der menschliche Aspekt, die Erkenntnis, dass hinter den Transparenten und Gesängen Menschen mit ihrem Alltag, ihrer Arbeit und ihren Problemen stehen. Das sind Dinge, die mich eigentlich nicht überraschen sollten, da ich sie schon seit vielen Jahren kenne, aber es ist immer schön, sie mit eigenen Augen zu sehen.
5. Haben alle Generationen von Ultras ein Mitspracherecht?
Ja, wie gesagt, die Curva Volpi umfasst derzeit alle noch aktiven Gruppen und somit alle Generationen. Ich halte es für eine echte Stärke, dass wir jungen und alten Fans das Wort erteilt haben, was die Vielschichtigkeit der Ultras-Bewegung verdeutlicht und auch die altersbedingten Unterschiede aufzeigt.
6. Erzähl uns von der Premiere. Der Ort war wirklich etwas Besonderes…
Die Premiere fand im „Teatro Marrucino“ statt, das als eines der fünf bedeutendsten Opernhäuser Italiens gilt und 1818 eingeweiht wurde. Es war also ein wunderschöner Rahmen aus historischer Sicht. Da die maximale Kapazität bei 500 Personen liegt, musste der Dokumentarfilm zweimal gezeigt werden, da bei der Premiere mindestens 150 Personen draußen bleiben mussten. Außerdem war es wirklich bewegend zu sehen, wie dieser Ort, ein Wahrzeichen von Chieti, für einen Abend von den Ultras mit ihren Gesängen und Transparenten eingenommen wurde!
7. Wo kann man den Film sehen?
Wir planen, in den kommenden Monaten Vorführungen in anderen europäischen und italienischen Städten zu organisieren, um Themenabende zu veranstalten, bei denen sich rund um den Dokumentarfilm auch eine breitere Debatte über die Welt der Ultras entwickeln kann. Wir haben bereits einige Anfragen von verschiedenen Gruppen erhalten und werden in den nächsten Wochen damit beginnen, die Termine festzulegen. Im kommenden Herbst wird der Dokumentarfilm dann auch auf dem YouTube-Kanal von Sport People veröffentlicht. Ich nutze diese Gelegenheit, um mich auch öffentlich bei Daniele Marconi zu bedanken, dem jungen Mann, der sich um den Schnitt gekümmert hat und zweifellos die schwerste und anstrengendste Arbeit geleistet hat!
(Faszination Fankurve, 22.06.2026)

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