Auseinandersetzung, Fanfest, Corteos & Spektakel auf den Rängen – Eindrücke von Crystal Palace gegen Rayo Vallecano

Das Finale der Conference League bot allerhand spannende Fanaktivitäten: große Choreografien, Pyrotechnik, lautstarker Support. Aber auch ein Gedenken an ein kürzlich verstorbenes Mitglied der Bukaneros. Faszination Fankurve blickt in diesem Beitrag mit allerhand Infos und Fotos auf das gestrige Aufeinandertreffen in Leipzig zurück.

In Leipzig ereignete sich am gestrigen Mittwochabend das Finale der Conference League. Faszination Fankurve berichtete vorab von dieser Partie.

Der englische Verein Crystal Palace FC aus dem Süden Londons traf auf den spanischen Klub Rayo Vallecano, aus einem Arbeiterviertel Madrids kommend. Für beide Vereine war der Finaleinzug ein Triumph und ging in die Historie ein. Noch nie kamen die Klubs so weit in einem europäischen Wettbewerb. Dementsprechend groß war die Vorfreude unter den Fans.

Etwa 11.000 Karten erhielten vorab die Vereine. Weitaus mehr Fans reisten allerdings nach Leipzig und versorgten sich anderweitig mit Tickets. Bereits am Vortag waren Tausende Fans aus Spanien und England angereist. Die Leipziger Innenstadt verwandelte sich in eine riesige Fan-Partymeile. Viele Lokalitäten wurden belagert.

Bild: privat

Die aktive Fanszene rund um die Bukaneros von Rayo Vallecano war ebenfalls schon am Dienstag mit einer großen Anzahl zugegen. Als diese am Abend durch die Innenstadt zogen, kam es zu einer Auseinandersetzung mit Fans vom Crystal Palace FC. Stühle und Gläser flogen durch die Gegend. Die Polizei trennte die Fanlager allerdings rasch voneinander. Für die Spanier folgte ein stundenlanger Kessel samt Platzverweise – Faszination Fankurve berichtete. Insgesamt wurden über 300 Fans beider Vereine kontrolliert. Zwei Personen wurden festgenommen. Beim Mob der Engländer fielen einige rassistische Zaunfahnen und Parolen auf.

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Rayo Vallecano stammt aus dem Madrider Arbeiterviertel Vallecas. Seit 1992 gibt es die Bukaneros, welche u.a. Freundschaft mit der Grazer Sturmflut, Brigadas Amarillas (Cádiz), Gate 10 Iraklis (Thessaloniki), Riazor Blues (Deportivo La Coruna), Gate 10 (Omonia Nicosia). Politisch sind sie stark links eingestellt.

Der Crystal Palace FC verfügt ebenfalls mit den seit 2005 existierenden Holmesdale Fanactics über eine Ultragruppe. Eine der ältesten und kontinuierlichsten Gruppen in Großbritannien, wo die Casual-Kultur eigentlich dominierend ist. Politisch sind auch die Holmesdale Fanatics antirassistisch einzuordnen. Einige Hooligans der Engländer allerdings nicht. Eine Freundschaft pflegt man zu den Panthers von Panionios Athen.

Weil Stehplätze seitens UEFA nicht erlaubt sind, wurde die Kapazität des Stadions auf 39.800 Zuschauer gesenkt. So viele waren dann etwa auch da. Vor allem auf englischer Seite waren deutlich mehr Fans anwesend. Die Spanier hatten die Nordseite bekommen und Crystal Palace die südliche Hintertortribüne. Ein Sieg in dieser Partie bedeutete nicht nur der Titelgewinn, sondern auch die Berechtigung am internationalen Wettbewerb in der nächsten Saison. Denn in der eigenen Liga endete für beide Vereine eher mäßig die Saison im Mittelfeld der Tabelle.

Am Spieltag herrschte bereits ab den Mittagsstunden eine prächtige Atmosphäre. Die Leipziger Innenstadt war fest in Hand der Spanier und Engländer. Auch die Ultras beider Vereine samt ihren Freundschaften waren zugegen. Unter anderem: Panionios Athen bei Crystal Palace sowie Sturm Graz, Omonia Nicosia, Iraklis Saloniki und Cadiz bei den Bukaneros. Sturm und Iraklis waren im Stadion später auch mittels Fahnen bzw. Doppelhalter auch optisch zu vernehmen.

Die Holmesdale Fanatics sammelten vorab Spenden für die Choreo. Außerdem rief man dazu auf, die offiziellen UEFA-Fanzonen wie auf dem Marktplatz oder Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig zu meiden. Stattdessen sammelte sich die Szene wenige Meter entfernt nahe der Thomaskirche. Um 16:00 war hier Treff, gegen 19:00 erfolgte dann der Abmarsch gen Stadion. Mehrere Hundert CPFC-Anhänger liefen gemeinsam hinter Zaunfahnen der Holmesdale Fanatics zum Stadion.

Ganz anders war die Situation bei Rayo Vallecano. Hier war sogar die Szene federführend an der Organisation mitbeteiligt. So beinhaltete das Programm den Auftritt einer Rap-Gruppe, eine Ehrung der ältesten Mitglieder und eine Gedenkminute für verstorbene Rayo-Fans. Zum Merch anlässlich des historischen Aufeinandertreffens gehörte neben einem weißen Shirt auch ein Mottoschal. Beides zierte ein Skelett mit dem Totenkopf (Logo der Bukaneros) samt Pokal. Außerdem gab es ein extra für das Spiel angefertigtes Fanzine im Retro-Look. Kurz nach 18:00 Uhr lief die Szene geschlossen in den weißen Mottoshirts los. Die Fanzone war dabei nicht der erste Treffpunkt der Szene. So traf man sich zuvor am Augustusplatz für ein gemeinsames Gruppenfoto – 500 Bukaneros-Mitglieder waren anwesend, darunter alle Generationen der seit 1992 existierenden Gruppe.

Bild: privat

Danach zog der Mob weiter zum offiziellen Treffpunkt am Richard-Wagner-Platz. Dort feierten bis 18:00 einige tausend Fans, ehe man gemeinsam zum Stadion lief. Lautstarke Gesänge waren zu hören und vereinzelt untermalte Pyro die Szenerie. Viele Passanten schauten mit großen Augen dem lebendigen Corteo zu. Vor der ersten Reihe sah man ein Transparent mit der Aufschrift: „Gewinnen muss der Hammer sein“.

Bild: privat

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Am Spielort angekommen, schickten beide Fanlager zeitnah die ersten lauten Gesänge durchs Stadion. Die Rayo-Fans waren überwiegend in Weiß gekleidet, die CPFC-Anhängerschaft mehrheitlich in Trikots sowie die HF05 in weißen Shirts. Etwas weiter entfernt stand noch ein weiterer kleiner Stimmungsblock der Engländer, ebenfalls in weißen Shirts gekleidet.


Die Bukaneros befestigten hinter dem Tor eine riesige Zaunfahne. Spannend dabei: der „Bukaneros“-Teil der Zaunfahne ist in Spanien verboten. Die Zaunfahne hing in dieser Form das erste Mal seit sieben Jahren. Zu Heimspielen hängt sonst „Desde 1924 la vida pirata la vida mejor“, was übersetzt so viel heißt wie: „Seit 1924 das Piratenleben, das beste Leben“.

Auf der Gegenseite sah man eine dreistellige Anzahl an verschiedensten Zaunfahnen. Viele im typisch englischen Stil. Aber auch ein paar Raritäten aus früheren Jahren waren zu sehen.

Mit einem kleinen Banner gedachten die Rayo-Fans dem kürzlich bei einem Verkehrsunfall verstorbenen Mitglied der Bukaneros, David. Bereits am Wochenende zuvor zeigte man beim Auswärtsspiel in Alaves ein Spruchband mit der Botschaft: „David, wir werden den Pokal für dich holen“. Auch eine Fahne für Martola, einem verstorbenen Mitglied der Riazor Blues, war zu sehen. Die Fahne gehört den Riazor Blues. Die verstorbene Person war ein sehr enger Freund der Gruppe.

Zu Spielbeginn sah man auf beiden Seiten große Choreografien. Die Holmsdale Fanatics von Crystal Palace bedienten sich an einem Zitat von William Shakespeare aus dem Drama „König Heinrich V.: „The Story shall the good man teach his son.“ Dazu gab es blaue und rote Zettel sowie eine Blockfahne. Auf dieser sah man unter anderem eine Departures-Anzeigetafel mit drei prägenden Momenten der Vereinsgeschichte, die sich in den letzten 16 Jahren ereigneten. Zum einen wäre dies die Saison 2009/10, als der Verein zwischenzeitlich zahlungsunfähig war und kurz vor dem Ende stand und noch gerettet werden konnte. Dann war eine Anspielung an den FA-Cup-Sieg 2025 gegen Manchester City zu sehen sowie das bevorstehende Ziel, gegen Rayo zu siegen und somit die Conference League zu gewinnen. Auf die Blockfahne folgte etwas Pyro.



Auf der gegenüberliegenden Seite gab es eine mehrteilige Choreo mit Bezug auf die mythologische Legende vom Ursprung Vallecas. So bezeichnet man die Bewohner von Vallekas als „Hijos del caballo blanco“ (übers. „Die Söhne des weißen Pferdes“). Dies hat den Hintergrund, dass der Gründer des Viertels von einer Stute und einer Frau gezeugt wurde. Auf der Blockfahne war dementsprechend das weiße Pferd und die Frau zu sehen. Dazu gab es den Spruch: „Bring den Pokal ins Viertel, meine Liebe“. Dies ist wiederrum ein Satz aus einem Gesang, den die Bukaneros anlässlich des 100-jährigen Geburtstags herausgebracht hatten. Danach wechselte man den Spruch zu: „Für den Totenkopf das ganze Leben“, wobei der Totenkopf per Papptafeln dargestellt wurde. Auch hier folgten zum Abschluss einige Fackeln.




Beide Seiten koordinierten mittels Anstimmer und Trommeln den Support und holten oft weite Teile der Anhängerschaften ab. Zu sehen waren auch einige Schwenkfahnen, vor allem auf spanischer Seite. Schätzungsweise waren um die 20.000 CPFC-Fans im Stadion und etwa 12.000 Rayo-Fans. Somit ist es für Rayo die größte Auswärtsfahrerzahl in der Geschichte. Um die 35. Spielminute herum ereignete sich im Rayo-Sektor ein medizinischer Notfall. Der Support wurde kurzzeitig eingestellt.

Als Crystal Palace in Halbzeit Zwei in Führung ging, platzten die englischen Fans vor Freude. Bengalen leuchteten im Bereich der Holmesdale Fanatics auf. Die Gesänge wurden in einer beachtlichen Intensität durchs Stadion geschmettert und auch die Gegenseite steigerte weiter die eigene Supportleistung. Derweil kämpften die Spieler auf dem Rasen für das große Ziel.


Am Ende blieb es allerdings beim 1:0. Crystal Palace holte damit nach dem FA-Cup-Sieg 2025 nun den nächsten Titel in den Süden Londons. Mannschaft und Fans zelebrierten eifrig diesen Moment, während die gegenüberliegende Seite sich ebenfalls würdig verabschiedete. Man blickt auch hier auf eine wohl unvergessliche Europapokalsaison zurück und bedankte sich dafür mittels Spruchbands auch bei den Spielern. Auf diesem stand: „Für mich gab es keinen größeren Sieg, als eine Niederlage an deiner Seite“.



Ein beeindruckende Europapokalabend neigte sich so langsam dem Ende. Für viele CPFC-Fans ging der Abend noch lang, hatte man allen Grund zur Freude.


Weitere Informationen zur Europapokalsaison findet ihr in der kommenden Erlebnis Fussball Ausgabe.

(Faszination Fankurve, 28.05.2026)

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