04.02.2009 - SpVgg Greuther Fürth

„Wir wollen uns nicht kategorisieren lassen“


Vor knapp zwei Jahren haben sich die Ultras Fürth aufgelöst. Spätestens seit dieser Saison scheint die Szene am Fürther Ronhof wieder aufzublühen. Faszination Fankurve sprach mit Manuel Kleinheinz von den Horidos, einer der aktivsten Gruppen in Fürth.

Faszination Fankurve: Erzählt uns doch bitte etwas über Eure Gruppe. Wann wurden die Horidos gegründet?

Kleinheinz: Gegründet wurde unsere Gruppe im Sommer 2007. Nach der Auflösung der Ultras Fürth 1998 im Januar des Jahres war im heimischen Ronhof, von Auswärtsspielen mal ganz zu schweigen, Totenstille angesagt. Bis auf einige Einzelpersonen konnte von keiner Seite organisierter Support wahrgenommen werden. Schon im Laufe der Rückrunde dieser Spielzeit wurden also die Ideen gesammelt, wie man dieser Entwicklung entgegentreten könnte. Am Ende von vielen Ideen stand dann die Gründung einer neuen Gruppe, die der tot scheinenden Fanszene in Fürth wieder Leben einhauchen wollte.

Faszination Fankurve: Kann man euch einordnen Ultrà, der klassische Supporter oder irgendwo dazwischen?

Kleinheinz: Um diese Frage beantworten zu können, müsste man erst einmal definieren, wo Ultra’ anfängt und wo es aufhört. Dies gestaltet sich bei einer so facettenreichen Subkultur allerdings sehr schwierig. Wir wollen uns nicht kategorisieren und in eine Schublade einordnen lassen. Unser Ziel, die SpVgg mit vollstem Einsatz und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mittel zu unterstützen, sollte Hauptaufgabe für jedes einzelne Mitglied der Gruppe sein. Inwiefern dies dann Ultra’ sein mag oder eben nicht, vermögen andere zu beurteilen.

Faszination Fankurve: Wie kam es zu diesem alles andere als alltäglichen Namen und was bedeutet er?

Kleinheinz: In der Findungsphase der Gruppe wurde natürlich auch die Namensgebung ausführlich diskutiert. Man wollte keinen Allerweltsnamen, den es in anderen Städten auch gibt. Mit dem Neuanfang sollte auch eine gewisse eigene Note mit einfließen, um so den Grundstein für eine kreative Szene zu setzen. Nach einigen Vorschlägen stieß man auf den Jagdruf „Ho-ri-do“, der bei der Treibjagd von Jägern benutzt wurde/wird, um die Hunde anzutreiben. Und am Stichwort „antreiben“ blieb man dann auch hängen. Das Antreiben der Mannschaft, die auf dem Platz für den Verein des Herzens spielt, ist ja der elementare Bestandteil unseres Lebens. So einigte man sich schließlich auf den Namen „Horidos“.

Faszination Fankurve: Vor ziemlich genau zwei Jahren haben sich die Ultras Fürth aufgelöst. Hat dieser Schritt auch heute noch Auswirkungen auf die Szene?

Kleinheinz: Mit dem Wegbrechen der wohl einzig wirklich im Stadion aktiven Gruppe ist auch leider wieder ein Teil an Jugendlichen weg gebrochen, für die mit der Auflösung der UF wohl ebenso die Liebe zur SpVgg aufgelöst wurde. Für uns zwar unverständlich, aber in Zeiten, in denen der Großteil der Jugendlichen über die Gruppe zum Verein kommt wohl leider die Regel. Allgemein spürt man in Fürth das Fehlen ganzer Generationen. Durch die Tatsache, dass der Verein vor gewisser Zeit noch in der Landesliga tümpelte, während ein paar Kilometer weiter höherklassiger Fußball geboten wurde, fehlt auch die Generation derer, die zu dieser Zeit jung waren nahezu komplett. So waren auch zu UF Zeiten die Führungsköpfe nicht älter als Mitte 20, während in anderen Szenen führende Personen bekanntlich durchaus auch mal auf die 30 zugehen. Die Lebenserfahrung, die eine solche Person an jüngere Menschen weiter geben kann ist natürlich um einiges größer, als die von 10 Jahre jüngeren. Nun fehlt aber wie angesprochen eine weitere Generation, so dass man als junge, fast jugendliche Gruppe völlig auf sich allein gestellt ist. Das schmerzt natürlich in gewissem Maße, da man niemand Erfahrenen im Rücken hat, der einem selbigen freihält. Natürlich ist aber auch positives geblieben. So ist doch einiges an Know-how, Kultur und Lebensverständnis, was an uns jüngere von den Jungs weiter gegeben wurde, hängen geblieben. Anfängerfehler konnten so leicht übergangen werden.

Faszination Fankurve: Ihr seid ja eine relativ junge Gruppe. Wie ist denn Eure Akzeptanz in der Kurve?

Kleinheinz: Der Großteil der Personen auf der Tribüne scheint es akzeptiert zu haben, dass wir als dermaßen junge Gruppe das Zepter in der Hand haben. Natürlich gibt es immer mal wieder Fanclubs, die meinen, mit dem Argument, sie würden schon viel länger zur SpVgg gehen als wir junge Hüpfer, irgendwie ihre nicht vorhandene Wichtigkeit für die Szene zeigen zu müssen. Ansonsten wird uns von niemandem innerhalb der Fanszene ein Stein in Weg gelegt. Die merklich verbesserte Stimmung hat viele Stadionbesucher besänftigt und eventuell bestehende Vorurteile uns Jugendlichen gegenüber verstummen lassen. Durch die niedrigere Schwelle zwischen den Mitgliedern unserer Gruppe und weiteren Jugendlichen in unserem Block fällt außerdem der Kontakt um einiges leichter, so dass doch viele junge Leute Anschluss an die Gruppe suchen und ebenso leben wollen, wie wir es tun. So lassen sich am jungen Durchschnittsalter also durchaus auch positive Aspekte finden.

Faszination Fankurve: Am Anfang der Saison gab es auf den ersten Blick eine sehr kuriose Meldung von Eurem Busfahrer, der die Strecke nach Offenbach nicht gefunden hat. Könnt Ihr dazu etwas erzählen?

Kleinheinz: Fakt ist, dass wir an diesem Tage nicht in Offenbach angekommen sind. Ob der Busfahrer nicht wollte oder es an seinen nicht vorhandenen Fähigkeiten lag, wir wissen es nicht. Dass hierbei durchaus eine gewisse niedergeschlagene Haltung entsteht, wenn man seiner Liebe beraubt wird, ist wohl nur all zu verständlich. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht sagen, da momentan noch Verfahren bzgl. angeblicher Straftaten laufen.

Faszination Fankurve: Von außen ist in den letzten Jahren der Eindruck entstanden, dass die Stimmung am Ronhof stagniert hat. Nun scheint es aber wieder bergauf zu gehen, oder?

Kleinheinz: Von Stagnation kann man keineswegs sprechen. Mit der Entwicklung der Ultras Fürth entwickelte sich auch der Support weiter, ehe dieser schließlich mit der Auflösung der Gruppe ein jähes Ende fand. Mit der Gründung unserer Gruppe kam dann wiederum neuer Wind in die Szene und es ging langsam, aber stetig bergauf. Eventuelle Vergleiche zu früher möchte ich hier aber nicht ziehen, zu groß ist der Respekt vor der geleisteten Arbeit seitens der UF.

Faszination Fankurve: Euer Derby gegen den 1. FC Nürnberg zählt bundesweit zu den brisantesten. Wie war das Spiel in der Hinrunde?

Kleinheinz: Außergewöhnlich waren die Tage rund ums Derby auf alle Fälle. Vom Spieltag selbst hatte sich dann wohl doch so mancher mehr erwartet. Weder Nürnberg noch Fürth konnten stimmungstechnisch überzeugen. Unser geplantes Intro und die Spruchbänder konnten wir wie geplant durchziehen und wussten, zumindest in unseren Augen, zu gefallen. Wirklich brisant war es an diesem Tage nur einmal, als bei der Ankunft am Stadion ein Tor zum Nürnberger Bereich nicht geschlossen war. Allerdings nutzten weder Nürnberg noch Fürth die Gelegenheit um durch zu brechen. Die Situation wurde dann kurz darauf von Polizei und Ordnungsdienst unter Kontrolle gebracht. Der weitere Verlauf des Tages war ziemlich unspektakulär und ist auch nicht der Rede wert.

Faszination Fankurve: Ist es für euch tragbar, dass beide Spiele im Frankenstadion stattfinden?

Kleinheinz: Ein Heimspiel kann es nur in unserem Ronhof geben. Momentan laufen hier die Verhandlungen zwischen allen an der Entscheidung beteiligten Parteien, so dass noch keine Entscheidung gefallen ist, wie wir als Gruppe handeln werden, sollte unser Heimspiel wirklich in Nürnberg stattfinden. Prinzipiell können wir aber nur an unserer Grundhaltung festhalten, dass auch wir als kleiner Verein das Recht haben, unsere Heimspiele im eigenen Stadion auszutragen.

Faszination Fankurve: Wo geht es dieses Jahr noch hin. Sportlich seid ihr wieder in Schlagweite, schafft Fürth den Aufstieg endlich mal?

Kleinheinz: Böse Zungen behaupten, der 3. Platz wäre dieses Jahr möglich, da er erstmalig nicht zum direkten Aufstieg berechtigt. Alles in allem hätten es sowohl der Verein, der seit Jahren solide wirtschaftet und mit wenig Geld immer wieder oben mitspielt, sowie die Stadt endlich einmal verdient. Ob ein Aufstieg für die Szene förderlich wäre, steht auf einem anderen Blatt.

Faszination Fankurve: …und wo geht es mit der Fanszene hin?

Kleinheinz: Wir wollen unseren eingeschlagenen Weg mit vollstem Einsatz weiter gehen. Seit Beginn dieser Saison haben wir die Möglichkeit, die Kartenvergabe für „unseren“ Block, Block12, selbst zu regeln. Wer in den Block möchte, kann seine Karte nur am vorherigen Spieltag an unserem Stand oder vor Spielen in der Kneipe erwerben. So ist es faktisch ausgeschlossen, dass Familien oder normale Stadionbesucher sich plötzlich auf Grund des billigeren Preises mitten im aktiven Kern befinden und ihm dadurch das Leben erschweren. Die Entwicklung durch die Erschaffung des neuen Blockes ist beachtlich, stimmt uns alle aber noch lange nicht zufrieden. Es gilt, alle Jugendlichen an die SpVgg zu binden und ihnen unsere Philosophie weiterzugeben und vorzuleben. Erreichen wollen wir das bspw. durch unseren Infoflyer „Preludio“, den wir ab der Winterpause auf 8 Seiten ausgeweitet haben, um so auch tiefgründigere Themen in der gebotenen Ausführlichkeit zu behandeln. Wir hoffen, so schrittweiße die Augen vieler Leute zu öffnen und auch ein kritisches Leben neben den 90 Minuten im Stadion zu vermitteln. (Faszination Fankurve, 04.02.2009)

Fanfotos SpVgg Greuther Fürth




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