04.03.2010 - Deutschland

„Unser bester Mann hat über 7.000 Grounds!“


Deutschland ist eines von wenigen Ländern, das eine eigene Groundhoppingvereinigung aufweisen kann. Faszination Fankurve sprach mit Tobias Plieninger, dem Vorsitzenden der Vereinigung der Groundhopper Deutschlands (VdGD), über das nicht alltägliche Hobby.

Faszination Fankurve: Die Vereinigung der Groundhopper Deutschlands, kurz VdGD, wurde bereits 1993 gegründet. Was bewog Euch damals zu diesem Schritt und sind heute noch Gründungsmitglieder bei Euch aktiv?

Plieninger: Damals wie heute ist der VdGD wichtig, dass die Groundhopper sich gegenseitig unterstützen, sei es mit dem Austausch von Informationen, Organisation von Touren. Statt Individualismus soll der Gemeinschaftssinn gestärkt werden. Jeder bringt was ein und kann auch profitieren. Die klassische Win Win Situation.

Ein Großteil der Gründungsmitglieder ist heute noch aktiv. Nur wenige haben das Groundhopping ganz beendet.

Faszination Fankurve: Auf Eurer Internetseite stehen unter anderem Eure Aufnahmebedingungen von 300 Grounds oder 30 Länderpunkten. Das ist schon ein ziemlich hoher Maßstab, warum ein so hoher und ist er noch heute aktuell?

Plieninger: Dieser Maßstab ist aktueller den je. Seit Gründung der Vereinigung haben sich die Rahmenbedingungen für das Groundhopping verändert. Mit Hilfe des Internet ist es weitaus einfacher geworden, Informationen zu sammeln. Durch die Billigflieger ist das Reisen auch weitaus günstiger geworden. Die alte Messlatte von hundert Grounds und zehn Länderpunkte sind schnell gesammelt. Für 300 Grounds muss man schon ein paar Jahre unterwegs sein. Wer das geschafft hat, der hat es sich auch redlich verdient aufgenommen zu werden.

Faszination Fankurve: Wie wird man bei Euch Mitglied, geht Ihr auf die Leute zu oder kommen diese zu Euch?

Plieninger: Um Mitglied zu werden, muss man vorgeschlagen werden von einem der Mitglieder. Es besteht aber auch die Möglichkeit, sich beim Vorsitzenden zu melden. Wenn die Kriterien erfüllt sind, dann wird man automatisch vorgeschlagen. Bei der Abstimmung darf man nicht mehr als 20 Gegenstimmen erhalten, dann ist man dabei.

Faszination Fankurve: Was darf man sich unter einer Mitgliedschaft bei Euch vorstellen. Ist es eine fixe Mitgliedschaft oder muss man aktiv bleiben, um auch weiterhin bei Euch geführt zu werden?

Plieninger: Die Mitgliedschaft ist fix. Der Beitrag beträgt 17,50 EUR, wer den zahlt, der bleibt auch dabei. Es wird nicht überprüft wie aktiv die Mitglieder sind. Das muss jeder selbst wissen. Letztendlich halten die Mitglieder den Verein am Leben durch den Vorschlag neuer Mitglieder und durch den Austausch der Infos. Wenn dies nicht mehr geschieht, würde die VdGD automatisch sterben.

Faszination Fankurve: Durch die hohen Ansprüche habt Ihr bestimmt auch einige an erfahrenen Leute in Euren Reihen. Wer sind sozusagen die „Top-Leute" und wie viele Punkte haben diese vorzuweisen?

Plieninger: Die meisten der Top Groundhopper sind bei uns Mitglied. Es gibt aber auch sehr ambitionierte Groundhopper, die leider nicht in der VdGD sind. Die Anzahl der Hopper mit über hundert Länderpunkten außerhalb der VdGD ist momentan größer als die der VdGDler! Was die Anzahl der Grounds anbelangt sind die Hochkaräter aus unseren Reihen. Unser bester Mann hat über 7.000 Grounds! Gefolgt wird er von einem Mitglied mit über 3.000 Grounds. Ein paar haben über 2.000 Grounds und einige über tausend. Eine Statistik, wer wieviele Grounds hat, wird nicht geführt, daher bin ich da gar nicht zu 100 Prozent sicher.

Faszination Fankurve: Wie viele Mitglieder hat die VdGD zurzeit?

Plieninger: 75.

Faszination Fankurve: Wie sieht der Austausch unter Euren Mitgliedern aus, gibt es regelmäßig Treffen?

Plieninger: Organisierte Treffen gibt es keine. Aber man läuft sich immer wieder über den Weg. Der Austausch findet individuell statt, meistens über Internet oder auf gemeinsamen Touren. Anlaufpunkte sind die Spiele der Nationalmannschaft. Dort ist die Wahrscheinlichkeit auf andere VdGD Mitglieder zu treffen hoch. Wenn die Stammvereine gegeneinander spielen, kann es auch sein, dass sich die Mitglieder vorher treffen.

Faszination Fankurve: Eine immer wieder große Diskussion ist in Euren Kreisen die Zählweise der Grounds. Ab wann gilt bei Euch ein Ground als besucht?

Plieninger: Die Diskussion wurde letztes Jahr beendet. Jeder Sportplatz kann als Ground gezählt werden, wenn dort 90 Minuten gesehen wurden. Ausnahme ist, wenn man durch unverschuldete Umstände (Stau, Zugverspätung) nicht rechtzeitig da ist. Dann gelten 45 Minuten als Minimum. Wenn man im Voraus weiß, dass man keine 90 Minuten sehen kann, dann zählt der Ground nicht.

Faszination Fankurve: Gibt es neben der VdGD noch andere Groundhopper Vereinigungen? Wenn ja, steht Ihr in Kontakt mit Ihnen?

Plieninger: Es gibt noch den englischen Club 92 und den schottischen Club 38. Die Kontakte beschränken sich auf die Mitglieder untereinander.

Faszination Fankurve: Was war die wahrscheinlich aufregendste oder beste Tour eines Mitglieds der VdGD?

Plieninger: Das ist schwer zu sagen. Da hat sicherlich jeder seine persönlichen Highlights. Besonders außergewöhnlich finde ich, dass schon mehrere unserer Mitglieder nur für einen Tag auf die Seychellen geflogen sind. Morgens hin, Länderpunkt gemacht und abends wieder zurück. Ein Sonderangebot einer Fluggesellschaft machte dies möglich. (Faszination Fankurve, 04.03.2010)

Weitere Informationen:

Faszination Fankurve-Magazin 25 - Titelthema Groundhopping

Fanfotos Deutschland




Weitere News:
03.07.2014: "Allianz für ein friedliches Fußballerlebnis"
18.06.2014: „WM ist sicher kein Fest der Fankultur“
02.04.2014: WM 2014: Public Viewing auch nach 22 Uhr möglich
21.02.2014: Welcher Verein hat die schlausten Fans?
27.06.2012: 2. Bundesliga beginnt am dritten August

Alle 354 News anzeigen



Kommentar schreiben

Name:


Kommentar:


Kommentar-Regeln