01.01.2005 - Deutschland

Post aus Europa


Sieben deutsche Vereine starteten in die Europapokal-Saison 2004/2005, vom Zweitligisten Alemannia Aachen bis zum erfolgsgewohnten FC Bayern München. Faszination Fankurve bat Fans, ihre Eindrücke aus den ersten drei Runden des Uefa-Cups und der Gruppenphase der Champions League zu schildern.

Bayer Leverkusen (Andreas Eckert, Vorsänger in Leverkusen)

Faszination Fankurve: Wie fällt dein persönliches Resümee des Europapokals aus Fansicht aus?

Eckert: Bisher war es in der Bundesliga stimmungsmäßig ja eher bescheiden, da ist dann der Europapokal schon was Besonderes, auch wenn wir diesmal keine spezielle Choreo hatten. Es war trotzdem deutlich mehr los. Auswärts hatten wir es teilweise eher mit Touristen als mit Fans zu tun. In Madrid saß tatsächlich einer mit FC-Schal im Stadion.

Faszination Fankurve: Warst du mit dem Zuspruch der Fans zufrieden? Wie viele sind mitgefahren?

Eckert: Wie ich es erwartet hatte: Der harte Kern ist immer unterwegs. Wir sind ja sogar nach Rom geflogen, obwohl wir wussten, dass wir nicht ins Stadion kommen würden. Das war in gewisser Weise Quatsch, aber trotzdem eine lustige Aktion.

Faszination Fankurve: Welchen Reiz übt der Europapokal bei euch im Vergleich zur Bundesliga aus?

Eckert: Der Europapokal ist immer noch was Besonderes, auch noch nach Jahren. Gegen Madrid zu spielen oder auswärts nach Madrid zu fahren, das gibt einem schon ein ganz anderes Gefühl als bei Bundesligaspielen.

Faszination Fankurve: Wie unterscheiden sich eure Aktivitäten von denen bei Bundesligaspielen?

Eckert: Es ist vor allem sehr schwierig, Choreos auf die Beine zu stellen. Das ergibt sich schon aus dem Spieltag. Mittwochs arbeiten unsere Leute alle, und es bleibt im Stadion nur sehr wenig Zeit für die Vorbereitungen. Deshalb haben wir uns bislang auf die Bundesligaspiele beschränkt.

Faszination Fankurve: Welches war dein persönliches Highlight?

Eckert: Das 3:0 zu Hause gegen Madrid war natürlich die Krönung, sowohl sportlich als auch von der Stimmung her. Auch von Liverpool erwarte ich mir einiges. Man kann wirklich von einem Traumlos sprechen. Wir werden dort mit sehr vielen Fans auflaufen. Choreopläne gibt es noch nicht.

Alemannia Aachen (Heinz-Volker Becker, Alemannia-Fan)

Faszination Fankurve: Wie fällt dein persönliches Resümee des Europapokals aus Fansicht aus?

Becker: Bislang war ich internatio-nal immer nur als Gast dabei, also bei einer anderen Mannschaft, nicht bei der Alemannia. Da war ich immer schon fast neidisch auf die anderen, die für ihr eigenes Team auf irgendeinem ausländischen Marktplatz die Fahne ausbreiten durften. Von daher ist dieses Jahr so etwas wie ein Kindheitstraum für mich wahrgeworden.

Faszination Fankurve: Warst du mit dem Zuspruch der Fans zufrieden? Wie viele sind mitgefahren?

Becker: Alemannia hat nicht das große Fanpotenzial, das ihr zugesprochen wird. Wir haben in der 2. Liga einen Kern von 100 Auswärtsfans, aber im UEFA-Cup fahren natürlich mehr. Nach Island konnten viele nicht mit, weil die Flüge alle ausgebucht waren. Mit der Unterstützung bin ich sehr zufrieden. Unter den 800, die mit nach in Athen gekommen sind, waren viele, die ich zuvor noch nie gesehen hatte.

Faszination Fankurve: Welchen Reiz übt der Europapokal bei euch im Vergleich zur Bundesliga aus?

Becker: Es ist die Atmosphäre, es ist das Neue, das Entdecken des Unbekannten. Da merkt man schon, dass der UEFA-Cup spektakulärer wahrgenommen wird als die Zweite Bundesliga. Das ist nicht mehr das Grau der Liga wie in Ahlen und Burghausen. Es ist etwas Großes.

Faszination Fankurve: Wie unterscheiden sich eure Aktivitäten von denen bei Bundesligaspielen?

Becker: Beim UEFA-Cup macht sich ein Generationswechsel bemerkbar. Da gibt es Leute, die fahren seit fünf Jahren überall hin, und recht viele Neulinge. Da entstehen dann plötzlich Diskussionen, ob eine Choreo stattfindet oder eben nicht. Die in Köln war z.B. mit der heißen Nadel gestrickt. Da hat man in der Hektik „Alemannia“ mit einem „n“ geschrieben. Das wird eben nicht besonders geplant. Es ist eine kleine Szene, bei der einige nur auf den fahrenden Zug gesprungen sind.

Faszination Fankurve: Welches war dein persönliches Highlight?

Becker: Hafnarfjörður war unbegreiflich. Unser erstes UEFA-Cup-Auswärtsspiel überhaupt. Man geht am Abend vor dem Spiel in das isländische Nationalstadion und sieht dort seine Alemannia trainieren. Wir konnten dort durch die Spielerkabinen gehen und hatten alle Freiheiten. Das war das komplett andere Gefühl von Fußball: Es war einfach Erlebnis-Fußball. Beim Tor bin ich von meinen Gefühlen weggerissen worden.

VfB Stuttgart (Matthias Vafai, Commando Cannstatt)

Faszination Fankurve: Wie fällt dein persönliches Resümee des Europapokals aus Fansicht aus?

Vafai: Bislang ist alles sehr gut gelaufen. Die Fahrt nach Budapest war schön und die anderen gingen auch. Budapest war etwas Besonderes weil wir da vor zwei Jahren die Ordner im Block hatten und auch Tränengas im Spiel war. Wir hatten deshalb auch einige Bedenken, aber eigentlich ist alles trotz ein paar düsterer Gestalten auf ungarischer Seite gut gelaufen. Wir selbst hatten fast nur die Allesfahrer an Bord, aber die haben einen super Support gemacht. Holland war auch sehr lustig, weil es eben das liberale Holland ist.

Faszination Fankurve: Warst du mit dem Zuspruch der Fans zufrieden? Wie viele sind mitgefahren?

Vafai: Insgesamt war die Nachfrage größer als die Kontingente, nur Budapest hat niemanden so wirklich interessiert. Da war die Auslosung zu kurz vom Spiel, dann bleiben die Erfolgsfans zu Hause. Ich mag beides, wenn nur die Allesfahrer dabei sind, aber auch, wenn eine Horde von 6.000 Fans supportet.

Faszination Fankurve: Welchen Reiz übt der Europapokal bei euch im Vergleich zur Bundesliga aus?

Vafai: International fahren nur gute Leute mit, wobei man auch da noch unterscheiden muss zwischen Champions League und UEFA-Cup. Entscheidend ist auch, dass die Reise einfach länger dauert und man schon von daher einfach mehr erlebt. Da merkt man schon im Bus, dass alle heiß sind und man kann schon früh erahnen, dass es einen super Support geben wird.

Faszination Fankurve: Wie unterscheiden sich eure Aktivitäten von denen bei Bundesligaspielen?

Vafai: Es gibt eigentlich keine speziellen Choreos. In der Bundesliga haben wir noch gar nichts gemacht. Aber es ist auch klar, dass wir die aufwändige Choreos eher machen, wenn wie bei der Champions League fast schon die ganze Welt auf uns blickt. Was die Busreisen angeht, ist es international natürlich viel stressiger, weil ständig alles kontrolliert wird und wir alles genauer vorbereiten müssen.

Faszination Fankurve: Welches war dein persönliches Highlight?

Vafai: Heerenveen

Bayern München (Marc Löwe vom Club Nr. 12)

Faszination Fankurve: Wie fällt dein persönliches Resümee des Europapokals aus Fansicht aus?

Löwe: Bisher war die Stimmung mehr schlecht als recht, was natürlich auch Gegnern wie Tel Aviv liegt. Aber auch gegen Juve waren nur die ersten 20 Minuten gut. Es ist halt auch in der Champions League so: Je schlechter die Bayern spielen, desto schlechter ist auch die Stimmung.

Faszination Fankurve: Warst du mit dem Zuspruch der Fans zufrieden? Wie viele sind mitgefahren?

Löwe: Gegen Tel Aviv, waren nur 300 oder 400 unten, weil da nicht so viele normale Flieger hingehen. Die meisten Fans fliegen dann direkt mit Bayern. Gegen Amsterdam hätten wir gerne mehr Karten gehabt, aber uns wurden nicht mehr zugeteilt. Da hatten wir beim Club Nr. 12 noch Nachfragen, denen wir nicht entsprechen konnten. Gegen Juve waren knapp 5.000 dabei, also sehr viele, wenn man bedenkt, dass insgesamt nur 18.000 Zuschauer im Stadion waren.

Faszination Fankurve: Welchen Reiz übt der Europapokal bei euch im Vergleich zur Bundesliga aus?

Löwe: In dieser Vorrunde waren bislang eigentlich nur diejenigen im Stadion, die sonst auch immer gehen. Deshalb war der Unterschied bislang nicht so groß, aber das wird sich in den K.o.-Spielen bestimmt noch ändern. Überhaupt lässt sich sagen, dass das Interesse an den Champions-League-Spielen auswärts sehr groß ist.

Faszination Fankurve: Wie unterscheiden sich eure Aktivitäten von denen bei Bundesligaspielen?

Löwe: Bei uns werden viele Busplätze über Mailing Lists auch in anderen Fanclubs angeboten. Die Red Munichs beispielsweise haben eigentlich bei jedem Spiel einen Bus.

Werder Bremen (Jens Jungbluth, Eastside 97)

Faszination Fankurve: Wie fällt dein persönliches Resümee des Europapokals aus Fansicht aus?

Jungbluth: Das Wichtigste ist, dass wir weitergekommen sind. Denn mit dem Erfolg steht und fällt schließlich die Stimmung. Obwohl die Gegner mit Anderlecht, Valencia und Mailand eher mäßig waren, sind wir eigentlich ganz zufrieden. Mailand hat mir besonders gefallen.

Faszination Fankurve: Warst du mit dem Zuspruch der Fans zufrieden? Wie viele sind mitgefahren?

Jungbluth: Obwohl wir die Tickets für das Auswärtsspiel erst drei Tage vor dem Match bekommen haben, sind 2.500–3.000 mitgekommen. Das war schon ein Bremer Highlight. Nach Valencia sind die meisten mitgekommen. Da hat der ein oder andere auch noch einen auch noch einen Kurzurlaub drangehängt. Die Stimmung im Stadion war nicht ganz so gut, was auch an den steilen Rängen dort liegt. Auch in Anderlecht war der Gästeblock wohl ausverkauft. Dabei haben die Karten 45 Euro gekostet. Das hat natürlich viele abgeschreckt.

Faszination Fankurve: Welchen Reiz übt der Europapokal bei euch im Vergleich zur Bundesliga aus?

Jungbluth: Auf die Champions League wartet man. Dementsprechend empfindet man sie, wenn es dann endlich so weit ist. Von den Ultras möchte dann natürlich jeder vor Ort sein. Eine Art Tourismus gibt es bei uns nicht, das Spiel steht immer im Vordergrund, auch wenn man wie damals gegen Nizza sich mit Touristen einen Bus teilt, um überhaupt zum Spielort zu kommen.

Faszination Fankurve: Wie unterscheiden sich eure Aktivitäten von denen bei Bundesligaspielen?

Jungbluth: Vor der Saison besprechen wir, wie alles laufen soll. Diesmal wollen wir uns eher auf die größere Champions League konzentrieren und dort größere Sachen machen. Die situationsbezogenen Choreos oder Spruchbänder bleiben dann für die Bundesliga, wobei Derbys natürlich einen höheren Stellenwert haben. Allerdings sind größere Sachen natürlich auch immer abhängig vom Geld, und man weiß nie, ob man sie wirklich durchführen kann. Gegen Valencia hatten wir auch jede Menge Sachen im Bus, mussten aber die meisten abgeben.

Faszination Fankurve: Welches war dein persönliches Highlight?

Jungbluth: Mailand, obwohl wir wussten, dass sich die italienischen Fans nicht für die Gruppenphase der Champions League interessieren. Die Stimmung dort war trotzdem super. Die Heimspiele hingegen waren eher gleich. Da hat Mailand überhaupt nicht gerockt, gegen Valencia allerdings war’s super. Da haben wir auch eine super Choreo hingelegt. Das sind dann so die Punkte, die die Champions League Begegnungen rund machen.

FC Schalke 04 (Matthias Wrase, Ultras Gelsenkirchen)

Faszination Fankurve: Wie fällt dein persönliches Resümee des Europapokals aus Fansicht aus?

Wrase: Wir Schalker waren mehr unterwegs als alle anderen, weil wir vor dem UEFA-Cup noch den UI-Cup gespielt haben. Diesmal waren die Reiseziele abwechslungsreicher als in den Vorjahren, als es nahezu ausnahmslos in den Ostblock ging. Auch deswegen war ich diesmal überall, nur im dänischen Esbjerg nicht. Ich habe fast nur sehr gute Touren erlebt, mit Ausnahme von Liberec, wo wir schon im letzten Jahr waren. Aber die nächste Runde ist wieder in der Ukraine. Dann ist alles wie gehabt.

Faszination Fankurve: Warst du mit dem Zuspruch der Fans zufrieden? Wie viele sind mitgefahren?

Wrase: Die wenigsten hatten wir in Skopje, wo nur 70 Fans von uns waren. Auch in Liepaja in Lettland waren nur 120. In Edinburgh bei den Hearts hatten wir dann 1.800, wovon ich ein wenig enttäuscht war. Edinburgh ist eigentlich ein dankbares Reiseziel, weil man mit den Billigfliegern gut hinkommt. Wer allerdings alle Touren mitgemacht hat, musste dafür schon rund 1.500 Euro investieren.

Faszination Fankurve: Welchen Reiz übt der Europapokal bei euch im Vergleich zur Bundesliga aus?

Wrase: Generell hat das mehr Reiz als die Bundesliga, denn man lernt andere Kulturen kennen und die langen Fahrten machen enorm Spaß. In Lettland mussten wir 250 Kilometer mit dem Überlandbus zurücklegen. Das hat nur 5 Euro gekostet und es reisen dort sehr skurrile Leute mit. Leider allerdings hat es im Bus fürchterlich gestunken.

Faszination Fankurve: Wie unterscheiden sich eure Aktivitäten von denen bei Bundesligaspielen?

Wrase: Es ist international natürlich viel aufwändiger und die Stimmung ist eine andere. In Rotterdam kommt man sich vor wie im Knast. Man geht durch Tunnel und wird ständig kontrolliert. Dafür war dort die Stimmung am besten. Mit Abstrichen war sie auch bei den Hearts gut, sonst war supportmäßig diesmal gar nichts los.

Faszination Fankurve: Welches war dein persönliches Highlight?

Wrase: Schwer zu sagen… stimmungsmäßig wie gesagt Rotterdam. Abseits davon hatten wir einige beeindruckende Erlebnisse. Z.B. war Mazedonien sehr spannend. Man sieht dort an vielen Stellen noch die Spuren des Krieges.

VfL Bochum (Dirk Michalowski, Fanbeauftragter des VfL Bochum)

Faszination Fankurve: Wie fällt dein persönliches Resümee des Europapokals aus Fansicht aus?

Michalowski: Im Grunde sind wir natürlich ein wenig ernüchtert. Wir hatten schon 1997 zwei Vereine zugelost bekommen, die mit dem Bus zu erreichen waren und dachten, das richtige Europacup-Feeling kommt auf, wenn du auch mal fliegen musst. Als wir dann Standard Lüttich bekommen hatten, dachten wir, in der nächsten Runde würde es was mit der Flugreise werden. Das Aus in der Nachspielzeit war dann natürlich ein Schlag in die Magengrube.

Faszination Fankurve: Warst du mit dem Zuspruch der Fans zufrieden? Wie viele sind mitgefahren?

Michalowski: Wir hatten 5.000 Karten und die haben wir auch alle verkauft. Von der Stimmung war ich positiv überrascht, denn es hat im Vorfeld einige heikle Dinge gegeben. Wir sind insgesamt mit 85 Bussen angerollt. Der Bundesgrenzschutz hat an der Grenze alles gefilzt und nach Leuten mit Stadionverbot gesucht. In Lüttich sind dann kurzfristig noch einige Busse „verloren“ gegangen.

Faszination Fankurve: Welchen Reiz übt der Europapokal bei euch im Vergleich zur Bundesliga aus?

Michalowski: Das Besondere ist, auch mal außerhalb zu spielen, denn der richtige VfL-Fan war innerhalb Deutschlands schon überall. Im Europapokal wirst du dann plötzlich live im Fernsehen übertragen. Du lernst andere Fans kennen. Das ist schon ein ganz eigenes Feeling.

Faszination Fankurve: Wie unterscheiden sich eure Aktivitäten von denen bei Bundesligaspielen?

Michalowski: Wir hatten das Problem, dass uns nur 1.600 Karten aus Lüttich zugeteilt wurden. Das war natürlich viel zu wenig. Wir haben dann mit den Lüttichern verhandelt und konnten die Tickets für eine komplette Tribüne kaufen. Die Bedingung war allerdings, dass diese Fans alle in Bussen anreisen. So war der Kauf einer Eintrittskarte an ein Busticket gekoppelt.

Faszination Fankurve: Welches war dein persönliches Euro-Highlight?

Michalowski: Dass letztendlich mit der Organisation doch alles geklappt hat, das war mein persönliches Highlight. Ich stand um 20.20 Uhr im Stadion und dachte, es hat alles geklappt, die Sache ist jetzt abgeschlossen, jetzt trinkst du dir erst einmal ein Bier. (Faszination Fankurve, 01.01.2005)

Fanfotos Deutschland




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