07.09.2014 - Ménimontant FC 1871

Neuer Fanverein in Paris gegründet


Mit dem Ménilmontant FC 1871 wurde in Paris ein neuer Fußballclub gegründet, der von seinen Mitgliedern selbstverwaltet wird. Alle Mitglieder haben die gleichen Rechte. Er setzt sich teilweise aus ehemaligen Fans von Paris SG zusammen, die die Spiele auf der Virage Auteuil besuchten.

Nun bestritt der Verein sein erstes Spiel Der neue Verein versteht sich als Gegenpart zum modernen Fußball mit seinen modernen Stadien, millionenschweren Spielern, die man gerade in Paris in den letzten Jahren anlockte und der Unterdrückung der Fans.

Stattdessen positioniert sich der Verein als eine solidarische Gemeinschaft, die jede Art von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, sozialer Herkunft, der Religion oder der sexuellen Orientierung ablehnt. Ménilmontant ist ein multikultureller Stadtteil von Paris, in dem viele Mitglieder und linksgerichtete Personen wohnen. Die Spiele des Vereins sollen aber außerhalb der Stadt des Lichtes in einem sogenannten Banlieue stattfinden.


Mit der Zahl 1871 spielt der Verein auf die sogenannte Pariser Kommune während des Deutsch-Französischen Krieges an. Dabei handelt es sich um einenrevolutionären Pariser Stadtrat, der die Hauptstadt nach sozialistischen Vorstellungen und anders als die konservative Regierung gestalten wollte. Ziel war die Einrichtung einer sogenannten Rätedemokratie.

Aber wie kam es zum Ende der Fankultur bei Paris SG bzw. warum ist ein Besuch des franzöischen Meisters keine Option mehr? Nach dem tödlichen Ausgang einer Auseinandersetzung zwischen PSG-Fans vom Kop of Boulogne und der Virage Auteuil wurden im Jahr 2010 offiziell von französischem Innenministerium die fünf Gruppen Supras Auteuil, Grinta, Authentiks, Commando Loubard und Milice Paris verboten. Der Angriff ging damals von rechten Hooligans auf die multikulturell geprägte Virage Auteuil aus, wobei ein Hooligan des Kop of Boulogne starb. Die Gruppe Boulogne Boys wurde schon Jahre vorher nach einem Spruchband gegen Lens-Fans verboten. Die Gruppe Tigris verschwand schon vorher aus dem Stadion. Jahrelang wurde sie von rechten Hooligans des eigenen Vereins bedroht und angegriffen. Irgendwann konnte sie sich nicht mehr verteidigen. Alle Gruppen wurden vom eigenen Verein aus dem Stadion verbannt und die jeweiligen Fanblöcken in Familienblöcke umgewandelt. 2011 wurde der Verein von Qatar Sport Investment gekauft, weshalb eine Rückkehr zu ihrem Verein endgültig für zahlreiche Fans und Ultras kein Thema mehr war.


In letzter Zeit gehen wieder verstärkt Fangruppen in den Prinzenpark, wie zum Beispiel die Gruppe K-Soce, einer ehemaligen Sektion der Supras Auteuil, oder Karsud, die beide auch mit Grupppen vom Kop of Boulogne gemeinsame Sache machen. Für die Gründer des Ménilmontant FC, aber auch für Mitglieder der Gruppen Supras, Authentiks und Grinta kam dies nicht in Frage. Sie besuchen die Spiele von Paris SG bis heute nicht. (Faszination Fankurve, 26.08.2014)






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Europapokal am 08.09.2014, 16:49 Uhr

Hamburg, Manchester, Paris - der Europapokal kann kommen!


me am 07.09.2014, 13:03 Uhr

Gute Sache. Und weitere Fans, die dem großen Business den Rücken kehren, werden folgen. Ganz sicher. Die Geschichte um die rechten Hools, die Jagd auf "Feinde" im eigenen Verein machen, kommt einem auch irgendwie bekannt vor. Stichwort AC, BS oder HB. Vielleicht sollten die Vereinsbosse mal mit diesen Leuten kooperieren, wenn sie die Ultras loswerden wollen. Die scheinen ja ganze Arbeit zu leisten.