08.12.2012 - Borussia Dortmund

„Kein originärer Ultra-Protest“


Auch in Dortmund ist für den heutigen Tag eine Fandemonstration angemeldet, zu der ein breites Spektrum an BVB-Fans aufruft. Faszination Fankurve sprach mit den Organisatoren von „The Unity“ über die Demo, das DFL-Sicherheitspapier und wie es weiter gehen wird.

Faszination Fankurve: In eurer Stadt soll am 08. Dezember 2012 eine von euch organisierte Fandemonstration stattfinden. Gegen was möchtet ihr demonstrieren?
Oliver Ricken: Hier gilt es zu Beginn direkt klar zu stellen, dass wir nicht gegen etwas demonstrieren wollen, sondern für den Erhalt der Fankultur. Unter diesem Namen ist die Demo auch angemeldet. Wir wollen zeigen wie bunt, laut und erhaltenswert unsere Fankultur ist und ein deutliches Zeichen Richtung DFL senden. Implizit protestieren wir damit natürlich schon gegen das fürchterliche Sicherheitspapier, der Fokus soll aber eindeutig positiv ausgerichtet sein.


Faszination Fankurve: Wie seid ihr auf die Idee der Aktionsform Demonstration gekommen und wie gestaltet sich die Planung und Organisation bisher?
Ricken: Die Idee eines Demonstrationszuges ist nicht exklusiv eine Dortmunder Idee. Der Gedanke an einen Zug für den Erhalt der Fankultur waberte zwar schon seit Monaten durch unsere Köpfe, konkret angedacht wurde er jedoch erst auf der Ultra-Konferenz am 01. November in Berlin. Wir haben uns dann ein breites Bild innerhalb der Dortmunder Szene eingeholt, mit vielen Fanclubs gesprochen, wie sie dazu stehen, ob sie sich beteiligen möchten und dann schlussendlich in einem größeren Plenum beschlossen. Uns war es dabei wichtig, dass die Aktion kein originärer Ultra-Protest wird. Wir haben bewusst auf eine breite Beteiligung gesetzt: Ultras, Fanclubs, Fanszines. Die Anmeldung an sich war nur ein formeller und unkomplizierter Akt. Die Ausgestaltung wird in den kommenden Tagen organisiert. Da wir uns aber derzeit fast täglich sehen und auch privat kennen sind die Wege kurz und die Planungen unproblematisch.

Faszination Fankurve: Welche anderen Protestformen werden ihr in den nächsten Wochen vor dem 12. Dezember nutzen, um euren Unmut zu verdeutlichen? Beteiligt ihr euch am stillen Protest zu Beginn der kommenden Spieltage?
Ricken: Ja, auch wir werden uns an dem bundesweiten „stillen Protest“ beteiligen. Diese Aufgabe ist natürlich bei uns in Dortmund mit dem gigantischen Westfalenstadion, der riesigen Südtribüne aber auch der aktuellen sportlichen Situation kein Selbstläufer. Ein kompletter Stimmungsboykott wäre in Dortmund niemals durchführbar, und auch diese 12 Minuten stufen wir extrem schwierig ein. Wir wissen nicht was bei einem frühen Tor unseres Ballspielvereins passiert. Begleitet wird der Boykott dann durch Spruchbänder sowie ein gewisses Comeback nach den stillen Minuten.

Faszination Fankurve: Sind die Fans anderer Vereine auf eurer Demonstration willkommen oder sogar in die Organisation eingebunden?
Ricken: Selbstverständlich! Die ganze Nummer ist ja kein Dortmunder Problem sondern betrifft uns alle gleichermaßen. Jeden Fan der Borussia, aber eben auch die Fans aller anderen Vereine in Deutschland. Die Wolfsburger werden sich voraussichtlich dem Demonstrationszug anschließen und damit ein Zeichen setzten, dass wir Fans in Deutschland gemeinsam an einem Strang ziehen. In Situationen wie der aktuellen müssen wir einfach zusammenrücken-

Faszination Fankurve: Inwiefern habt ihr versucht auf euren eigenen Verein einzuwirken, der ebenfalls ein Stimme auf der DFL-Versammlung am 12. Dezember besitzt?
Ricken: Wir stehen eigentlich permanent in einem sehr fairen Dialog mit der Vereinsführung. Natürlich standen und stehen wir auch diesbezüglich mit dem Verein in Kontakt. Wir in Dortmund haben allerdings das große Problem der Doppelfunktion von Herrn Dr. Rauball. Einerseits sicher eine große Chance so einen Mann bei der DFL zu haben, andererseits ergeben sich aber Hemmnisse und Konflikte. Unterm Strich hat sich Borussia Dortmund als Verein noch nicht abschließend geäußert. Wir hoffen, dass sich die Vereinsführung am 12. Dezember im Sinne der Fans von Borussia Dortmund und derer in ganz Deutschland entscheiden wird und sich für einen sachlichen und differenzierten Dialog einsetzen wird. Dies haben wir auch zuletzt auf der Mitgliederversammlung des BVB noch einmal angemahnt.

Faszination Fankurve: Welche Entscheidung wünscht ihr euch für den 12. Dezember 2012 von den DFL-Mitgliedern und welche haltet ihr für realistisch?
Ricken: Da das Leben und der Fußball insbesondere kein Wunschkonzert sind gehen wir direkt über zum Realistischen. Der Druck der Politik ist enorm. Handelt der Verband nicht wird die Innenministerkonferenz ihre Maßnahmen durchdrücken, so wie in halb Europa schon passiert. Dass es möglicherweise einschneidende Veränderungen geben wird ist somit klar. Daher fordern wir ja so vehement einen Dialog ein. Wir verschließen uns nicht sondern sehen uns ganz klar als Teil der Lösung und sind stets zu einem runden Tisch bereit, an dem konstruktiv, differenziert und fair das Problem angegangen werden kann.


Faszination Fankurve: Wie geht es nach dem 12 Dezember weiter?
Ricken: Das wissen wir nicht. Die Zukunft wird größtenteils von der Entscheidung jenes 12. Dezembers abhängen. Gleichwohl brauchen wir uns aber auch keiner Augenwischerei ergeben. Denn wir befinden uns bereits seit Jahren in dieser Entwicklung. Selbst wenn es nicht zum Gau auf der DFL-Vollversammlung und es anschließend möglicherweise zum großen Showdown in den Kurven kommt, wird es bestimmt keine Umkehrung der Tatsachen geben. Dann vollzieht sich die Schose halt nicht nach Dampfhammer- sondern Salamitaktik. Daher pochen wir auch so sehr auf Information und Sensibilisierung! Jeder muss erkennen und verstehen, was da vor sich geht und dass man dafür aufstehen muss! (Faszination Fankurve, 02.12.2012)

Fanfotos Borussia Dortmund



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