18.03.2011 - FC Augsburg

Fanszene bittet um Mithilfe


Der FC Augsburg gastierte am letzten Wochenende bei Union Berlin. Auf dem Platz boten die Spieler ein mageres 0-0. Auf den Rängen ging es nach dem Schlusspfiff hingegen heiß her. Die Fanszene Augsburg erhebt gegen Polizei und den eingesetzten Ordnungsdienst schwere Vorwürfe und sucht Zeugen.

Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme der Fanszene Augsburg zu den Vorkommnissen nach dem Spiel 1. FC Union Berlin gegen den FC Augsburg:

Im Anschluss an besagte Partie kam es zu einem übertrieben harten und brutalen Einsatz der Polizei und des Berliner Ordnungsdienstes gegen FCA Fans. Wir wollen hiermit die Geschehnisse noch einmal Revue passieren lassen.

Etwa 20 Minuten nach Spielende verließ eine etwa 70-köpfige Gruppe Augsburger den Gästeblock. Dabei wurde durch die Polizei eine Person aus eben jener Gruppe festgenommen. Besagte Festnahme des FCA Fan fand wohl wegen der verwendeten Pyrotechnik während der zweiten Halbzeit statt. Zwar empfinden wir Fans Pyrotechnik als legitimes und stilvolles Mittel zum Ausdruck von Emotionen, sind uns aber der aktuellen (verbotenen) Stellung dieses Elementes bewußt.

Was jedoch stark kritisiert werden muß ist die Art und Weise der Festnahme. Anstatt in dieser Situation das Fanprojekt, die Fanbeauftragten oder die szenekundigen Beamten einzuschalten, wurde der FCA Fan gewaltsam aus der Gruppe herausgezogen.

Die Berliner Polizei handelte somit also alles andere als deeskalierend und nahm eine Eskalation der Situation billigend in Kauf. Ganz provokant gesagt könnte man sogar behaupten, dass eine Eskalation seitens der Polizei gewünscht war! Andere (kommunikative) Möglichkeiten wären durchaus vorhanden gewesen. Einzig und alleine dem besonnenen Verhalten der Augsburger Fans ist es zu verdanken, dass die Situation nicht weiter zur Eskalation getrieben wurde. Nachdem sich die Situation soweit wieder beruhigte, begann die Polizei unverständlicherweise die Augsburger Fans durch den Block zu "treiben". Warum in dieser Situation nicht kommuniziert wird und somit einfach ein gewünschter "Standortwechsel" der FCA Fans geäußert wird, sondern dies mit Gewalt durchgesetzt wird, ist unverständlich. Man könnte fast den Eindruck bekommen, die Polizei habe es an diesem Tag darauf angelegt, nach der von ihnen gewünschten und geglückten Verhaftung die Situation weiter eskalieren zu lassen. Auch wird es wohl das Geheimnis der Polizeibeamten bleiben, warum FCA Fans, die auf weitere FCA Fans beruhigend und schlichtend einwirken, um es bei der einseitigen Gewaltanwendung der Polizei zu belassen, von Polizisten mit Bein- sowie Armprotektoren, Fäusten und Füßen malträtiert werden.

Auch sollte hinterfragt werden, ob Polizeibeamte mit gezückten Schlagstöcken und Aussagen wie "Kommt doch her ihr Wichser" oder "Wollt ihr Arschlöcher noch mehr" wirklich das Bild vom "Freund und Helfer" wiederspiegeln?

Nachdem sich die anwesende Exekutive fürs Erste ausgetobt hatte, kam der große Einsatz des Ordnungsdienstes. In den folgenden Minuten kam es immer wieder zu ausschließlich vom Ordnungsdienst provozierten und initiierten Auseinandersetzungen. Ohne ersichtlichen Grund wurden Augsburger Fans körperlich vom Ordnungsdienst angegangen, während die Polizei all dies seelenruhig beobachtete. So wurde beispielsweise ein Fan an seinem Schal, (ihm dabei die Luft abwürgend) durch den halben Block gezogen und anschließend, am Boden liegend, getreten. Als ein weiblicher Fan versuchte, schlichtend einzugreifen, wurde auch noch diese junge Frau vom gleichen Ordner geschlagen. Ein Fan wurde, nachdem er sich über das inakzeptable Verhalten des Ordnungsdienstes bei eben jenem beschwerte, mit dem Kommentar "Halts Maul du fettes Schwein" mehrere Treppenstufen hinuntergestoßen. Diese zwei Beispiele stehen exemplarisch für das Verhalten des Ordnungsdienstes und sind lediglich zwei von vielen Vorfällen. Dass es bei all der Gewaltanwendung des Berliner Ordnungsdienstes "lediglich" bei leichteren Verletzungen unter den Augsburgern blieb, grenzt an ein Wunder.

Nach Verlassen des Gästeblocks kam es erneut zu einer Festnahme, bei der erneut ein Augsburger aus der Masse herausgezogen wurde. Dass die Stimmung zu diesem Zeitpunkt aufgrund der vorherigen Vorkommnisse schon äußerst aufgeheizt war, schien die Berliner Polizei nicht großartig zu interessieren. Erneut wurde alles andere als besonnen und deeskalierend gehandelt, sowie eine erneute Eskalation der Lage billigend in Kauf genommen. Warum wurde von Seiten der Berliner Polizei nicht der Versuch gestartet, die Probleme kommunikativ zu lösen? Mit den Fanbeauftragten, Fanprojektmitarbeitern und Augsburger Sicherheitsbeauftragtem waren an diesem Tag genügend Personen anwesend, die der Augsburger Fanszene nahestehen bzw. von eben jener akzeptiert werden. Warum erweckten die Ereignisse dieses Tages den Eindruck, die Berliner Polizei wäre an einer friedlichen Lösung der Probleme nicht im Geringsten interessiert? Warum wird nicht wenigstens der Versuch gestartet, mit den Fans bzw. mit den möglichen Bindegliedern (Fanprojekt, Fanbeauftragte, Sicherheitsbeauftragte, SKBs) zwischen Berliner Polizei und Augsburger Fans zu reden, sondern stattdessen sofort der Knüppel ausgepackt? Bei all der polizeilichen Gewalt wurde weder Rücksicht auf Frauen, Kinder oder Jugendliche genommen. Dies ist aber leider schon fast unnötig, zu erwähnen.

Wir fordern hiermit die Polizei in Berlin auf, ihr eigenes Handeln kritisch zu hinterfragen und bei zukünftigen Einsätzen lieber deeskalierend anstatt eskalierend zu handeln. Vor allem aber fordern wir die Berliner Polizei dazu auf, gegen Gewalttäter aus den eigenen Reihen entschieden vorzugehen und nicht falsch verstandene Solidarität walten zu lassen.

Desweiteren fordern wir den Verein Union Berlin auf, zu hinterfragen, ob es für einen Zweitligisten wirklich tragbar ist, einen Ordnungsdienst zu beschäftigen, der durch das Tragen von Kleidung mit eindeutig rechter bzw. faschistischer Gesinnung auffällt und der durch provozierende Beleidigungen und den Einsatz von Quarzhandschuhen, Handschuhe mit integrierten Metallplatten und Schlagwerkzeug in der Hand glänzt.

Was von diesem Tag bleibt, ist ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit gegenüber sinnloser und willkürlicher Polizeigewalt, welches unser Vertrauen in die Polizei als ausführende Gewalt dieses Staates stark schwächt.

Wir werden es uns vorbehalten, rechtliche Schritte gegen die Polizei, wobei dies dank fehlender Kennzeichnungspflicht innerhalb der Polizei fast aussichtslos erscheint, einzuleiten. Ebenso werden wir es uns vorbehalten, rechtliche Schritte gegen den Berliner Ordnungsdienst einzuleiten.

Wir bitten hiermit jeden, der Zeuge der oben beschriebenen oder auch weiteren Aktionen der Polizei und des Ordnungsdienst wurde, der Foto- oder Videomaterial besitzt oder selbst Opfer wurde, sich mit uns in Verbindung zu setzen (kontakt@ultras-augsburg.com).

Abschließend möchten wir noch den Berliner Ultras rund um das Wuhlesyndikat und den Berliner Fanbeauftragten für ihren gezeigten Einsatz und deren Solidarität unseren Dank aussprechen.

Fanszene Augsburg

Fanfotos FC Augsburg




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