13.02.2009 - Deutschland

„Es herrscht ein guter Austausch“


Knapp eineinhalb Jahre nach dem Fankongress in Leipzig sprach Faszination Fankurve mit Gerald von Gorrissen, dem Fanbeauftragten des Deutschen Fußball-Bundes, über das Verhältnis zwischen Fans und DFB und was sich seither getan hat.

Gerald von Gorrissen
Gerald v. Gorrissen
Faszination Fankurve: Vor kurzem äußerte eine Polizeigewerkschaft Forderungen, dass man mehr Geld benötige und gegebenenfalls auch Spiele ausfallen sollten. Wie reagiert man in Frankfurt auf solche Forderungen?

Von Gorrissen: Hierzu kann ich nichts Konkretes sagen. Es werden auf anderer Ebene Gespräche darüber geführt, an denen ich nicht teilnehme. Durch wohldurchdachte Spielansetzungen ließen sich in meinen Augen Spielabsagen verhindern. Man sollte aber auch ein gewisses Verständnis gegenüber der Polizei aufbringen, da sie durch solche Großveranstaltungen enorme Aufwendungen zu bewältigen hat.

Faszination Fankurve: Eine andere Forderung, die vonseiten der Polizei, aber auch einiger Innenminister kam, war eine Rücknahme der Lockerung der Stadionverbotsrichtlinien. Beim DFB, vor allem in Form des Sicherheitsbeauftragten Spahn, wurde dem allerdings eine recht deutliche Absage erteilt, oder?

Von Gorrissen: Das stimmt und unsere Evaluierung kann diese Entscheidung nochmals unterstreichen. Denn es ist jetzt schwarz auf weiß abgedruckt, dass sich durch die Änderungen keine neuen Gewalttaten im Stadion abspielen. Wenn heutzutage noch Gewalt beim Fußball im Spiel ist, dann geschieht dies um das Stadion herum oder bei so genannten Drittortauseinandersetzungen. Im Stadion selbst wird es sogar ruhiger. Außerdem ist zu bedenken, dass man auf der An- und Abreise ebenfalls mit Stadionverboten belegt werden kann. Es kann keinesfalls von einem Anstieg der Gewalt gesprochen werden, was von Seiten der Polizei befürchtet wurde.

Faszination Fankurve: Die größte Unzufriedenheit beim Fankongress in Leipzig gab es sicher beim Punkt Fanutensilien. Wie ist die aktuelle Situation in den deutschen Stadien, sind Fortschritte zu verzeichnen oder gar einheitliche Richtlinien in Sicht?

Von Gorrissen: Es gibt Fortschritte zu verzeichnen, aber der kollektive Wunsch nach bundesweit einheitlichen Regeln für die Fanutensilien ist so schnell und unproblematisch nicht umsetzbar. Das größte Problem bei der ganzen Sache sind die unterschiedlichen Muster-Versammlungsstätten-Verordnungen der Bundesländer. Außerdem sind einige Vereine nicht Eigentümer des Stadions, sondern diese gehören Betreibergesellschaften oder den Kommunen. Hinzukommen die vielen Gesetze und speziellen Regelungen. Das alles auf einen Schlag zu vereinheitlichen, ist fast unmöglich. Doch da das Thema auch ein Anliegen des DFB ist, versuchen wir alles was in unserer Macht steht. Wir können hier beispielsweise auf das sogenannte St. Pauli-Modell verweisen. Dieses erlaubt den Gästefans alles mit ins Stadion zu nehmen, solange sie sich auch richtig verhalten. Sobald sie sich daneben benehmen, wird auch alles wieder verboten. Dieses Modell findet bei vielen Partnern Anklang. Das Thema Fan-Utensilien war ein Tagesordnungspunkt auf den Winterklausuren der Sicherheitsbeauftragten von DFB und DFL im letzten Jahr. Viele zeigten sich dem Modell gegenüber sehr interessiert und aufgeschlossen.

Faszination Fankurve: Das Gros der Themen wird in der AG Fandialog diskutiert. Zwischenzeitlich sollen einige Vertreter von Fanseite nicht gerade glücklich mit den Ergebnissen gewesen sein. Hat sich das geregelt?

Von Gorrissen: Es gab durchaus immer mal wieder Unzufriedenheiten. Aber das halte ich bei den unterschiedlichen Interessenslagen der Teilnehmer für völlig normal. Der Vertreter von BAFF stieg aus der AG-Fandialog aus. Das galt jedoch nicht für BAFF allgemein und es wurde kurze Zeit später ein Nachfolger für ihn benannt. Wir haben durchaus Verbesserungsmöglichkeiten erkannt. So wurde die AG Fandialog neu strukturiert und Arbeitsbereiche ausgegliedert, damit bestimmte Themengebiete in kleineren Arbeitsgruppen mit wirklich an diesem Thema Interessierten effektiver behandelt werden können. Wir sitzen aber auch weiterhin alle an einem Tisch.

Faszination Fankurve: Was sind die näheren Ziele, die mit der AG Fandialog erreicht werden sollen?

Von Gorrissen: Wir wollen verstärkt auf die aktuellen Bedürfnisse der Fans eingehen, so dass wir noch näher an den jeweiligen Szenen sind und den Austausch weiter intensivieren können. Kommunikation untereinander ist gerade hier sehr wichtig. Des Weiteren möchten wir gerne kleine Expertengruppen zum Abarbeiten von speziellen Problemen bilden.

Faszination Fankurve: Kann man eineinhalb Jahre nach dem Fankongress in Leipzig ein Fazit ziehen? Ist eine weitere ähnliche Veranstaltung in Planung?

Von Gorrissen: Für ein Fazit wäre es noch zu früh. Man kann aber festhalten, dass es seither kontinuierlich einen sehr regen Austausch zwischen allen teilnehmenden Parteien gibt und hoffentlich auch weiterhin geben wird. Eine ähnliche Veranstaltung wird es geben, aber es ist noch unklar, ob sie wieder so groß wie in Leipzig werden wird oder ob man sich lieber im kleinen Kreis treffen sollte und die Dinge dort direkt anspricht. Jetzt in diesem Jahr wäre es definitiv noch zu früh, um eine Veranstaltung diesbezüglich durchzuführen. Klar ist aber, dass sie wieder gemeinsam mit Fan-Vertretern geplant werden wird.

Faszination Fankurve: Hat sich der Kontakt zwischen DFB und den Fans in den Stadien in den letzten Jahren spürbar verbessert?

Von Gorrissen: Absolut, ja. Wie gesagt, es herrscht ein guter Austausch zwischen beiden Parteien.

Faszination Fankurve: Du bist jetzt auch für den Fan Club Nationalmannschaft zuständig, oder?

Von Gorrissen: Das stimmt. Ich bin seit 1. Januar 2009 in der Projektleitung tätig. Ich betreue jetzt unter anderem die Spieltagsaktivitäten bei Länderspielen wie zum Beispiel die Choreos oder das Fanzelt und stehe im ständigen Kontakt zu den regionalen Fan Club-Betreuern. Ich freue mich, meine Erfahrung auch beim Fan Club einbringen zu können. (Faszination Fankurve, 13.02.2009)

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