24.07.2014 - ProFans

DFB appelliert an Vereine Fanutensilien freizugeben


Gestern wurde seitens des DFB ein Empfehlungsschreiben an alle Vereine der obersten drei Ligen gesendet, in dem diesen die Freigabe von bestimmten Fanutensilien empfohlen wird. Dies bestätigte Gerald von Gorrissen, beim DFB zuständig für Fanbelange, gegenüber Faszination Fankurve.

Aktuell prüft der DFB noch, wie von Gorrissen gegenüber Faszination Fankurve sagte, inwiefern die AG Fanbelange/Fanarbeit beim DFB seine Empfehlung auch an Vereine unterhalb der dritten Liga aussprechen kann. Die AG prüft außerdem, wann und ob das vollständige Schreiben und damit die Auflistung der zur Freigabe empfohlenen Fanutensilien veröffentlicht wird.

Eine anonyme Quelle, die das Schreiben kennt, bestätigte gegenüber Faszination Fankurve, dass der DFB den Vereinen in dem Schreiben die Freigabe von Doppelhaltern empfiehlt. Bei Heimspielen von Preußen Münster und dem Wuppertaler SV wurden diese kürzlich verboten. Inwiefern eine neue Empfehlung seitens des DFB Einfluss auf die Verbote hat bleibt abzuwarten.

Auch die Fanorganisation ProFans meldet sich zu dem Thema zu Wort. Demnach ist das Ziel der Empfehlung die Einführung von Mindeststandards an empfohlenen Fanutensilien. Solche Mindeststandards haben Vereine wie der 1. FC Kaiserslautern und der 1. FC Nürnberg bereits eingeführt, wie deren Fanbeauftragte gegenüber Faszination Fankurve bestätigen. In Nürnberg sind demnach „Zaunfahnen, eine Trommel und ein Megaphon“ für Gästefans immer erlaubt. In der Pfalz beim FCK werden „Zaunfahnen, Trommeln und Megafone unabhängig etwaiger Vorkommnisse aus der Vergangenheit, schon seit mehreren Jahren als eine Art Mindeststandart genehmigt.“ ProFans geht dies noch nicht weit genug. Die Fanorganisation fordert „die generelle Freigabe von Fanutensilien für die Fans in allen Heim- und Gästekurven des Landes.“

ProFans kritisiert die Entwicklungen in Münster und Wuppertal, wo neue Maßnahmenkataloge mit Einschränkungen bei erlaubten Fanutensilien, auch für Fans der Heimmannschaft, eingeführt wurden. ProFans fordert die Rücknahme dieser Maßnahmen. (Faszination Fankurve, 24.07.2014)

Hier geht es zu Stimmen der Vereine zum Thema "DFB appelliert an Vereine Fanutensilien freizugeben".


Faszination Fankurve dokumentiert die Pressemitteilung von ProFans:

ProFans fordert die generelle Freigabe von Fanutensilien

ProFans fordert die generelle Freigabe von Fanutensilien für die Fans in allen Heim- und Gästekurven des Landes. In diesem Zusammenhang begrüßt ProFans, dass der DFB am gestrigen Tag endlich ein in der AG Fanbelange/Fanarbeit des DFB gemeinsam erarbeitetes Empfehlungsschreiben zur grundsätzlichen Freigabe von Fanutensilien an die Vereine verschickt hat.

ProFans-Sprecher Alex Schulz: „Das Schreiben ist ein wichtiges Zeichen für eine bunte Fankultur. Die Fan-Organisationen fordern gemeinsam mit dem DFB sowie Vertretern der Fanprojekte und Fanbeauftragten offiziell die Vereine auf, grundsätzlich auf Materialeinschränkungen zu verzichten. Nun sind die Vereine aber auch die politischen Entscheidungsträger gefragt, entsprechende Verordnungen im Sinne der Fans anzupassen.“

Das Ziel des Empfehlungsschreibens ist es, konkrete Mindestleitlinien zu schaffen, an denen sich die Vereine orientieren sollen. „Fußballfans, die fortwährend mit Verboten, teils sogar der eigenen Vereine, konfrontiert werden, sollen für den Dialog mit ihren Vereinen unterstützend eine offizielle Argumentationshilfe von Seiten der AG ‘Fanbelange/Fanarbeit’ erhalten“, erläutert ProFans-Sprecher Jakob Falk. „Die Zeit der unsinnigen Stückzahl-Beschränkungen, peniblen Größenabmessungen und bürokratischen Voranmeldungen muss endlich vorbei sein. Es sollte das Normalste der Fußball-Welt sein, dass ein Fan, egal ob zuhause oder auswärts immer und überall seine Fahnen mit ins Stadion nehmen kann“, so Falk weiter.

Bei aller Freude äußert ProFans gleichzeitig auch Kritik am späten Zeitpunkt der Versendung. Bereits im April 2014 hatten sich alle Beteiligten darauf geeinigt, das Empfehlungsschreiben zeitnah gleichzeitig den Vereinen und dem Nationalen Ausschuss Sport und Sicherheit zukommen zu lassen. Im Zeitraum eines Jahres war das Schreiben vorher bereits vom „Fachbereich Fußballkultur“ und der Kommission „Prävention und Sicherheit“ des DFB bestätigt worden. Wenige Tage vor dem Start der dritten Liga konnten viele Vereine das Schreiben somit für die Saisonplanung und den Dialog mit ihren Fans im Vorfeld nicht nutzen. Wie zuletzt bekannt wurde, haben der SC Preußen Münster und der Wuppertaler SV neue Material-Einschränkungen gegen ihre Fans beschlossen.

„Das Thema Fanutensilien und ihre Freigabe sind ein sehr akutes Thema, wie die aktuelle Brisanz der Beispiele aus Münster und Wuppertal zeigen. Anstatt den im Sicherheitskonzept 2012 geforderten Dialog konstruktiv zu führen, werden pauschale und nicht nachvollziehbare Restriktionen sogar für Heimkurven erlassen. Das ist eine neue Stufe der Repression gegenüber den aktiven Fans, die eventuell durch eine rechtzeitige Versendung des Empfehlungsschreibens vor dem Saisonstart der unteren Ligen hätte vermieden werden können“, sagt ProFans-Sprecherin Sandra Schwedler.

Eineinhalb Jahre nach dem 12.12.2012 stellt ProFans fest, dass einige Vereine wieder in alte Verhaltensmuster gefallen sind, die vor allem restriktive Maßnahmen und oberflächlichen Dialog beinhalten. Aus Sicht von ProFans gibt es keine schlüssigen Argumente mit dem Verbot von Fanutensilien ganze Fanblöcke oder Kurven in Sippenhaft zu nehmen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Verbote nicht zielführend sind, sondern viel mehr kontraproduktiv wirken. Nicht umsonst wurde das sogenannte St-Pauli Modell gerade beim FC St. Pauli abgeschafft, da sich die aktiven Fans nicht erpressen lassen.

„Die Lösung kann und wird nicht in Verboten liegen, auch wenn manche Politiker und Sicherheitsbeauftragte in Law-and-Order immer noch ein Allheilmittel sehen“, fasst Sandra Schwedler zusammen.

ProFans fordert daher die Vereine auf, auf jegliche Einschränkungen bei Fanutensilien zu verzichten und erwartet von den Netzwerkpartnern der AG Fanbelange/Fanarbeit des DFB, dass sie Fußballfans – gemäß des veröffentlichten Schreibens – bei ihren Bemühungen um die Freigabe von Fanutensilien aktiv unterstützen.

Konkret fordert ProFans die Verantwortlichen in Münster und Wuppertal auf, die neuen Restriktionen zurücknehmen und den Dialog mit den lokalen Fankurven zu suchen.

ProFans, im Juli 2014




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Kommentare:

Wupperhase am 25.07.2014, 09:50 Uhr

In Wuppertal geht es sogar soweit, dass das Werfen von KONFETTI verboten wird! Bei Zuwiderhandlung droht Stadionverbot! Kann mir mal einer deen Sinn erklären? Umweltschutz? Na dann sollten direkt mal alle Karnevalsumzüge verboten werden...


Beitrag am 24.07.2014, 14:51 Uhr

Eine Empfehlung ist ja schön und gut, entscheidend ist aber immer noch, ob die Vereinen das auch umsetzen. Bisher sind das leider nur zwei. Deshalb finde ich, dass dieses Schreiben noch kein Grund zum Jubeln ist. Die Umsetzung wäre trotzdem zu begrüßen.
Immer kritisch bleiben!


Skeptiker #2 am 24.07.2014, 12:54 Uhr

Das stinkt doch zum Himmel, da ist bestimmt irgentwas im Busch.


Fabian am 24.07.2014, 12:02 Uhr

Euch kann man es aber auch nicht recht machen:
macht der DFB nix sind sie scheisse, machen sie was für die Fans sind sie es auch...
Es wird doch immer ein Dialog gefordert!! Also, ist doch ne interessante Geste


Skeptiker am 24.07.2014, 10:31 Uhr

Braucht der DFB aktuelle Fotos für Werbebroschüren oder haben die Herren in Frankfurt einen Hitzschlag?

Warum sonst sollten sie etwas FÜR die Fans tun?


ChNissen am 24.07.2014, 09:58 Uhr

Wichtiges Detail am Rande:
In Münster gehen die Verbote vom Verein aus.
In Wuppertal von der Polizei, über die Stadt als Stadioneigentümer.