09.01.2012 - Fankongress

„Bei unseren Themen selbst am Ball bleiben“


Am kommenden Samstag und Sonntag findet in Berlin der von Fans selbst organisierte Fankongress statt. Faszination Fankurve sprach mit Philipp Markhardt, einem der Organisatoren des Fankongresses, über die Planungen für die beiden Tage.

Faszination Fankurve: Mitte Januar soll der von Fans organisierte Fankongress in Berlin stattfinden. Wann entstand die erste Idee dazu und was ist seit dem passiert?

Philipp Markhardt: Die Idee zum Fankongress entstand zu Beginn des Jahres 2011 auf dem ProFans-Treffen in Aachen. Wir hatten diskutiert, wie wir nach der Fandemo in Berlin 2010 nun weitermachen würden. Schließlich war der Kongress, der sicherlich auch eine Reaktion auf das Ende der AG Fandialog war, für uns jetzt ein weiterer logischer Schritt nach der Fandemo. Wir wollten nicht mehr zusehen, was die Verbände und öffentlichen Debatten aus unseren Forderungen machen würden, sondern bei unseren Themen selbst am Ball bleiben. Den lautstarken Sprechchören und Transparenten sollten nun Taten unsererseits folgen.

Faszination Fankurve: Was wollt ihr anders machen, als beim Fankongress 2007 in Leipzig, der damals vom DFB organisiert wurde?

Philipp Markhardt: Wir wollen einen echten, weil von Fans organisierten, Kongress auf die Beine stellen, nachdem sich hoffentlich auch etwas ändert. Nach dem Kongress in Leipzig blieb die Situation ja eigentlich wie sie auch schon vorher war. Ausgenommen vielleicht die Stadionverbotsproblematik. Aus diesem Grund wollen wir zwar auch die bestehenden Probleme ansprechen, jedoch vor allem lösungsorientiert vorgehen und uns die Frage stellen, wie wir uns den Fußball der Zukunft vorstellen könnten

Faszination Fankurve: Welche Fanszenen sind an der Organisation des Kongresses beteiligt und welche Szenen werden vor Ort anwesend sein?

Philipp Markhardt: Federführend auf jeden Fall die Herthaner, die im Grunde alles organisieren, was mit der Location und der Organisation vor Ort zu tun hat. Dazu Union, München Rot, Hamburg, Köln, St. Pauli, Braunschweig, Dortmund, Mainz, Kaiserslautern und mit Beckum auch eine kleinere Szene.

Faszination Fankurve: Welche Fanszenen beteiligen sich nicht am Kongress? Haben diese Fanszenen gegenüber den Organisatoren ihr Fernbleiben begründet?

Philipp Markhardt: Es gibt ein paar Fanszenen oder Fangruppen, die sich nicht am Fankongress beeiligen. Dies sind größtenteils die Fanszenen, die sich auch an der letzten Fandemo nicht beteiligt haben. Gründe dafür gibt es verschiedene. Teilweise wurden diese von den Gruppen vor der Demo ja auch erläutert. Aus manchen Fanszenen haben sich nur Einzelvertreter angemeldet. Trotzdem nehmen auch Fans von Vereinen am Fankongress teil, die auf der Demo nicht anwesend waren.

Faszination Fankurve: Was könnt ihr uns zu dem Ablauf an den beiden Tagen erzählen? Welche Workshops, Diskussion etc. wird es geben und welche Themen werden behandelt?

Philipp Markhardt: Der „Haupttag“ ist der Sonnabend, an dem vormittags und nachmittags verschiedene Veranstaltungen wie Workshops, Diskussionsrunden und Vorträge stattfinden. Wir stellen die Frage „Wem gehört der Ball?“, diskutieren Fankultur als soziales Phänomen, sprechen über die Identifikation mit dem Verein in Zeiten des modernen Fußballs und werden auch auf das Thema Selbstregulierung eingehen. Dazu geht es um den „rechtsfreien Raum Stadion“ und die Rolle der Fans im Fußball der Zukunft. Abends folgt eine etwas größere Podiumsdiskussion, bevor sich auf dem „Markt der Möglichkeiten“ Fanorganisationen vorstellen und die Möglichkeit zum „inoffiziellen“ Gespräch bieten. Außerdem wird auch ein wenig Abendprogramm geboten. Am Sonntag wird es dann international. Zu den verschiedenen Themen werfen wir mit internationalen Gästen und Referenten einen Blick über den Tellerrand.

Faszination Fankurve: Euer Konzept beinhaltet, dass sich möglichst viele Fans verschiedener Strömungen anmelden und nicht nur Ultras miteinander diskutieren. Was waren die Gründe hierfür und spiegelt sich in den Anmeldungen bereits ein breites Fanspektrum wieder?

Philipp Markhardt: Uns ist eben bewusst, dass die Fanszenen nicht nur aus den Ultras bestehen. Auch Allesfahrer, Kutten und anderweitig aktive oder unorganisierte Fans gehören zur Fankultur der Zukunft. Warum sollten sie dann nicht auch darüber mitreden sollen? Und je vielfältiger es auf dem Kongress zugeht, desto vorteilhafter ist das doch letztendlich für die Ergebnisse. Die Anmeldungen sprechen in der Tat für ein sehr breitgefächertes Spektrum der Teilnehmer.

Faszination Fankurve: In den letzten Wochen und Monaten wurde viel über Fans als Sicherheitsrisiko debattiert. Welche Chancen bringt der Fankongress den Fans hier ein anderes Bild zu vermitteln?

Philipp Markhardt: Die Fans dürften selber sicherlich am besten wissen, dass die Stigmatisierung zum Sicherheitsrisiko falsch und populistisch ist. Natürlich wird der eine oder andere „Normalfan“ sein Bild von den Ultras revidieren müssen, vor allem aber ist der Kongress auch eine Chance, das Image der Fans bei den Funktionären und der Öffentlichkeit zu verbessern.

Faszination Fankurve: Der Dialog zwischen dem DFB und den Fans ist in der Pyrotechnikdebatte eingeschlafen. Kann der Kongress hier neue Impulse geben?

Philipp Markhardt: Hoffentlich! Letztendlich wird es aber am DFB und natürlich auch der DFL liegen, hier den Dialog wieder aufzunehmen.

Faszination Fankurve: Neben Fans sollen aber auch Vertreter von Verbänden, Fanprojekten und anderen Organisationen anwesend sein. Wen habt ihr hier eingeladen?

Philipp Markhardt: Vertreter von DFB und DFL, den Leiter der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), Vereinsfunktionäre, Wissenschaftler, Vertreter von Amnesty International, Anwälte, Fanprojektler, Journalisten sowie Fan- und Sicherheitsbeauftragte. Das Line-up kann sich auf jeden Fall sehen lassen.

Faszination Fankurve: Gibt es Leute, die ihr nicht auf dem Kongress haben möchtet?

Philipp Markhardt: Wer dort auftaucht, um Stunk zu machen, der hat den Sinn und Zweck des Kongresses nicht verstanden und ist ebenso wenig willkommen, wie rechtsextreme Personen. Das sollte jedem vorher bewusst sein. Der antirassistische Grundkonsens von ProFans gilt selbstverständlich auch für den Fankongress.

Faszination Fankurve: Falls jemand nach diesem Interview Interesse hat den Fankongress zu besuchen: Gibt es weiterhin die Möglichkeit sich anzumelden und welche Voraussetzungen muss man mitbringen?

Philipp Markhardt: Die gibt es. Ein paar freie Plätze haben wir noch zu vergeben. Anmelden kann man sich unter http://fankongress-2012.blogspot.com. Dort ist auch das detaillierte (vorläufige) Programm nachzulesen. Besondere Voraussetzungen sind eigentlich nicht zu erfüllen. Höchstens, dass man die 20,- Euro Anmeldegebühr bezahlen kann, denn die sind zur Refinanzierung des Ganzen notwendig. Ansonsten freuen wir uns über jeden Teilnehmer.

(Faszination Fankurve, 09.01.2011)




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