23.07.2014 - 1. FC Kaiserslautern

„Angriff auf friedliche Fans stellte ein Novum dar"


Im Interview mit Faszination Fankurve spricht Christoph Schneller, Fanbeauftragter beim 1. FC Kaiserslautern u.a. über die Reduzierung des Gästekontingents im Fritz-Walter-Stadion, wie es beim Spiel gegen Dresden praktiziert wurde und Mindeststandards bei erlaubten Fanutensilien.

Faszination Fankurve: Hat sich bei der Mitnahme von Fanutensilien in Ihrem Verein etwas geändert?

Christoph Schneller: Bei uns hat sich diesbezüglich nichts geändert und wir versuchen auch den Gästefans möglichst viele Fanutensilien zu genehmigen. Zaunfahnen, Trommeln und Megafone werden unabhängig etwaiger Vorkommnisse aus der Vergangenheit, schon seit mehreren Jahren als eine Art Mindeststandart genehmigt.

Faszination Fankurve: Ein Fanthema der letzten Zeit ist der Anstieg bei Eintrittspreisen vor allem für Gästesektoren. Sehen Sie das als echtes Problem oder ist Fußball in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern immer noch mehr als bezahlbar?
Schneller: Im Vergleich zu anderen Ligen, vor allem Spanien oder England, sehe ich das Preisgefüge in Deutschland bei vielen Vereinen in einem sehr gesunden Gleichgewicht. Nichtsdestotrotz ist in den letzten Jahren insbesondere für Gästefans zu beobachten, dass die Preise weiter steigen oder die günstigen (Stehplatz-)-Kontingente kleiner werden und der Fan häufig auf überteuerte Sitzplätze ausweichen muss. Hier liegt es an den Fans, diese Tendenzen kritisch zu beobachten und Sorgen und Wünsche zu artikulieren, aber auch an den Vereinen die Ticketpreise auch für Gästefans angemessen zu gestalten

Faszination Fankurve: Oftmals wird von Außenstehenden wahrgenommen, dass der Kontakt zwischen Verein und der Fanszene immer problematischer wird bzw. zum Teil nicht mehr existent ist. Wie sehen Sie das allgemein und vor allem im Hinblick auf Ihren Verein?
Schneller: Ich kann hier natürlich nur für den FCK sprechen und nur schwer beurteilen, welche Außenstehenden oftmals wahrnehmen, dass der Kontakt zwischen Vereinen und Fanszenen immer problematischer wird. Sowohl die Vereine mit ihren Voraussetzungen und Strukturen sowie die jeweiligen Fan-Szenen sind viel zu individuell, um hier im verallgemeinerten Kontext zu sprechen. Bei uns in Kaiserslautern haben wir in den letzten Jahren die Kommunikation mit allen Fans und auch der organisierten Szene weiter ausgebaut und möchten diesen Weg auch gerne künftig weitergehen. Eine direkte Kommunikation zwischen allen relevanten Personen aus Verein und Fanszene ist elementar für Vereine, welche traditionell sehr stark durch ihre Fanszenen leben und von großen, organisierten und mündigen Fanszenen begleitet werden.

Faszination Fankurve: Letztes Jahr haben die Clubs der 1 bis 3. Liga Strafen in Höhe von ca. 1,7 Millionen Euro nach Fanaktionen zahlen müssen. Die Vereine reagieren unterschiedlich, immer mehr versuchen die Strafe auf die Verursacher zu übertragen. Gibt es dazu einen „Königsweg“?
Schneller: Nein. Das gesamte Thema Bestrafung für Fehlverhalten der Fans ist so komplex, dass individuell vor Ort nach Lösungen und Möglichkeiten gesucht werden muss.

Faszination Fankurve: Beim Revierderby und beim Spiel Kaiserslautern gegen Dynamo Dresden waren zuletzt weniger als 10 Prozent Gästefans erlaubt. Dies ist seit dem 12.12.2012 erlaubt. Spielt ihr Verein mit dem Gedanken bei manchen Spielen weniger Gästefans zuzulassen?
Schneller: Die Reduzierung eines Gästekontingentes ist für einen Verein, der nicht jedes Spiel über seine Heimfans ausverkaufen kann und für den Zuschauereinnahmen eine wichtige Einnahmequelle darstellen, eine ganz unangenehme Geschichte, bei welcher sehr viele Punkte zu berücksichtigen sind. Eine solch schwere und vielschichtige Entscheidung wird ja nicht nur vom Verein alleine erarbeitet, sondern mehrere unterschiedliche Interessensgruppen möchten Einfluss auf eine solche Entscheidung nehmen. Meiner persönlichen Meinung nach, sollte eine solche Reduzierung nur als Ultima Ratio angedacht werden und ganz fundiert begründet sein. Die Entscheidung in Kaiserslautern den Fans von Dynamo Dresden das Kontingent zu reduzieren wurde nicht alleine vom FCK „ausgedacht“ sondern resultierte in erster Linie auf Vorkommnissen beim Spiel FCK-Dynamo im Februar 2012. Der Angriff auf Shuttle-Busse mit friedlichen Fans stellte ein Novum dar. Darüber hinaus war es zum Zeitpunkt der Entscheidung das Kontingent zu reduzieren noch möglich, dass dieses Spiel für beide Vereine entscheidenden sportlichen Charakter hatte und so von Sicherheitsseite natürlich noch mehr Brisanz gesehen wurde. Ich würde mir natürlich sehr wünschen, dass künftig keine Reduzierungen mehr vorgenommen werden, was aber nicht kategorisch auszuschließen ist.


Faszination Fankurve: Die Mehrheit der Strafen hat mit dem Einsatz von Pyrotechnik zu tun. Seit Jahren ist der Einsatz von Pyro das zentrale Thema, ohne dass sich etwas bewegt. Lässt sich überhaupt eine Lösung finden?
Schneller: Nein. Der Einsatz von Pyrotechnik bei Fußballspielen ist in Deutschland seit bald drei Jahrzehnten mal mehr und mal weniger stark präsent. Das Thema ist so komplex, die Ansichten so unterschiedlich und auch die Kompromissmöglichkeiten nicht wirklich greifbar, so dass keine Lösung möglich ist, die allen Interessensgruppen gerecht werden könnte. Dieses Thema wird uns auch künftig begleiten.

Faszination Fankurve: Was waren die relevanten Fanthemen in Ihrem Verein/Fanszene in der vergangenen Saison?
Schneller: Die sportliche Situation, vor allem das Auftreten der Mannschaft, in der Liga versus Pokaleuphorie, Ticketreduzierung für Gästefans und das Testspiel gegen Salzburg in der aktuellen Vorbereitung. (Faszination Fankurve, 23.07.2014)

Fanfotos 1. FC Kaiserslautern



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